Regina Suderland, gebürtige Hermanns, war die Tochter eines jüdischen Vaters und einer christlichen Mutter. Als „Halbjüdin“ wurde die junge Frau von den Nationalsozialisten verfolgt. Regina Suderland gehörte zu den ersten Mitgliedern des Bundesverbandes und war dessen langjährige Vorsitzende. Sie hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Anliegen der NS-Verfolgten vielerorts Gehör fanden.

 

Suderland jugend klein

 Umzug nach Bendorf-Sayn

Zwei Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges, 1941, zog die Familie von Regina Suderland von Osnabrück nach Bendorf-Sayn. Dort arbeiteten Vater und Tochter in einer Heilanstalt: Regina als Hilfsschwester, ihr Vater als Oberpfleger. Die "Jacoby'sche Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Gemütskranke" war der neue Arbeitsplatz der Hermanns. Das Besondere an dieser Einrichtung: Hier konnten die Patienten nach jüdischen Glaubensvorschriften leben.

 

Regina jung 200x130Die Zeit unter den Nationalsozialisten

Die Nazis verzichteten zunächst darauf, die Pflegeanstalt zu schließen. Vielmehr nutzten sie diese ab 1941 dazu, die noch in Deutschland lebenden "jüdischen Geisteskranken" an einem Ort zu sammeln. Gemeinsam mit Wilhelm Rosenau, dem Chefarzt der Klinik, sowie weiteren Ärzten, Schwestern und Pflegern versuchten die Hermanns den Patienten ein Leben in Würde zu ermöglichen. Für einige bot die Klinik auf diese Weise noch eine Zeit lang Schutz und Geborgenheit. Trotz der Berichte über das Schicksal der Juden im Osten war die Klinik zunächst eine Insel der Menschlichkeit inmitten des nationalsozialistischen Terrors.

 

Regina Sayn 200x130Beginn der Deportationen

 
 

Doch als Wilhelm Rosenau gemeinsam mit Regina Suderlands Vater dazu gezwungen wurde, die Transportlisten für die Deportationen zu erstellen,  machten sich die Patienten und das Personal der Pflegeanstalt kaum noch Illusionen über das ihnen bevorstehende Schicksal. Ein Pfleger der Klinik nahm sich gemeinsam mit seiner Freundin das Leben. Er wollte um keinen Preis den Nationalsozialisten in die Hände fallen. Im März 1942 begann die Gestapo mit der Deportation. Einzig Regina Suderland, ihr Vater Benno Hermann und Wilhelm Rosenau blieben als Personal in den leeren Räumen der Pflegeanstalt zurück. Die Klinik sollte im Falle der Zerstörung des Koblenzer Krankenhauses als Ausweichkrankenhaus dienen.

 

Regina Museum 200x130Die Rettung

Für das mögliche „Ersatzkrankenhaus“ setzten die Nationalsozialisten den Betriebsleiter Paul Kochanek ein. Er rettete Familie Hermanns und der Familie des Klinikdirektors Rosennau das Leben. Der Gestapo täuschte er vor, sie seien als Not-Personal unverzichtbar. Getarnt als Putzfrau und Wächter, lebten die drei bis Kriegsende zusammen mit ihren Familien auf dem Gelände. So blieben sie von den Deportationen in die Vernichtungslager verschont. Ihren Lebensretter nannte Regina Suderland später oft "unseren kleinen Oskar Schindler". Regina Suderland verstarb im Jahr 2011. Ihre liebenswürdige Persönlichkeit und ihr unermüdlicher Einsatz für die Verfolgten des Nationalsozialismus werden den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bundesverbandes stets in Erinnerung bleiben.