Im Jahr 1993 startete der Bundesverband im Auftrag des Bundesministeriums für Familie und Senioren das Forschungsprojekt „Hilfen zur Verbesserung der Lebenslage von NS-Verfolgten im vereinten Deutschland“. Ziel des Projektes war es, einen konkreten Einblick in die damalige Lebenslage von NS-Verfolgten zu erlangen, um daraus Möglichkeiten sozialpolitischen Handelns abzuleiten, mit deren Hilfe die Lebenssituation der Überlebenden verbessert werden sollte.  

 

 

Im Jahr 1993 erhielt der Bundesverband vom Bundesministerium für Familie und Senioren einen Forschungsauftrag, der die Lebenssituation von Opfern des Nationalsozialismus untersuchen sollte. Die Idee zu diesem Forschungsprojekt entstand, da der damalige Bundestagskandidat der CDU in Köln und Kulturdezernent des Erftkreises, Lothar Theodor Lemper, dem Bundesverband vorschlug, seine gesammelten Erfahrungen aus der Arbeit mit NS-Verfolgten dem Bundesministerium anzubieten. Die Mitarbeiter des Bundesverbandes reagierten auf die Idee zunächst skeptisch, da sie bisher eher frustrierende Erfahrungen mit Ministerien und Politikern auf Bundes- und Landesebene gemacht hatten. Nichtsdestotrotz stellte Lothar Theodor Lemper den Kontakt zum Bundesministerium und dessen Staatssekretär Albrecht Hasinger her. Entgegen aller Zweifel stieß die Projektidee im Bundesministerium auf echtes Interesse und Engagement, so dass zwischen dem Bundesverband und den verantwortlichen Politikern das Forschungsprojekt „Hilfen zur Verbesserung der Lebenslage von NS-Verfolgten im vereinten Deutschland“ vereinbart wurde. Im Jahr 1994 wurden die Ergebnisse des Projektes in der Arbeit „Die Lebenslage der NS-Verfolgten im vereinigten Deutschland“ zusammengefasst und im Jahr 1996 nochmals aktualisiert und unter dem Titel „Lebenslage NS-Verfolgung“ veröffentlicht. Die Autoren der Studie, Lothar Evers, Uwe Flohr, Günter Saathof und Sonja Schlegel, beschreiben darin die damalige Lebenslage von NS-Verfolgten im vereinten Deutschland, denen auch Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkrieges jegliche Anerkennung und Entschädigung ihres Leidens  verwehrt wurde. Um die Lebenssituation der Überlebenden eingängig zu kennzeichnen, untersuchten die Verfasser die für die Lebenslager der NS-Verfolgten verantwortlichen Faktoren. So beleuchtet die Studie  u.a. die Geschichte der Wiedergutmachung, die dazugehörigen gesetzlichen Regelungen mit allen über die Jahre erfolgten Änderungen und Härteregelungen sowie den Stand von NS-Verfolgten in den Systemen der sozialen Sicherung und der medizinischen Versorgung. Auf Grundlage der gesammelten Erfahrungen mit NS-Verfolgten in der Informations- und Beratungsstelle des Bundesverbandes gab die Studie überdies einen eindringlichen Einblick in die konkrete Lebenssituation von NS-Verfolgten in den 1990er Jahren, und zeigte abschließend Möglichkeiten sozialpolitischen Handelns auf, um die Lebenssituation der Überlebenden positiv zu verändern.          Die ausführliche Studie zur Lebenslage von NS-Verfolgten war für den Bundesverband und die Opfer des Nationalsozialismus von weitreichender Bedeutung, da die gewonnen Erkenntnisse für den Bundesverband eine wichtige Grundlage für seine künftige Kampagnen- und Lobbytätigkeit wurden. Der Projektauftrag des Bundesministeriums trug so dazu bei, dass sich in den folgenden Jahren weitere Missstände im deutschen Entschädigungsrecht beseitigen ließen.