Im Rahmen seiner Arbeit für NS-Verfolgte hat der Bundesverband sich vor allem für die so genannten "vergessen Opfer" des Nationalsozialismus eingesetzt. Dabei hat er um die Jahrtausendwende im besonderen Maße auf sich aufmerksam gemacht, da er maßgeblich dazu beigetragen hat, dass die Opfer der NS-Zwangsarbeit Jahrzehnte nach Kriegsende endlich als solche anerkannt und entschädigt wurden.

 

Wie vielen anderen Verfolgten des Nationalsozialismus wurde den Opfern von NS-Zwangsarbeit nach Ende des Zweiten Weltkrieges keine Wiedergutmachung gewährt. Erst Jahrzehnte später, als Rechtsanwälte von ehemaligen Zwangsarbeitern in den USA damit begannen so genannte class-action-Verfahren gegen deutsche Unternehmen vorzubereiten, änderte sich die Situation grundlegend. Die Sammelklagen setzten die deutschen Unternehmen enorm unter Druck, so dass die Politik reagierte und im Jahr 1998 die Schaffung einer Bundesstiftung unter Beteiligung der Wirtschaft beschloss, um die Entschädigung von NS-Zwangsarbeit gesetzlich zu regeln. Der Bundesverband hat den Kampf der ehemaligen Zwangsarbeiter von Beginn an engagiert begleitet und unterstützt. Bereits die erste Sammelklage wegen NS-Zwangsarbeit wurde in enger Kooperation mit dem Bundesverband gegen die Kölner Fordwerke und die Ford-Muttergesellschaft in den USA eingereicht. Zudem starte der Bundesverband nur wenige Monate später die Kampagne „Gerechtigkeit für die Überlebenden der NS-Zwangsarbeit“. Im Rahmen dieser Kampagne organisierten die Mitarbeiter des Bundesverbandes die Zuarbeit deutscher Juristen zu den amerikanischen Klagen, initiierten historische Forschungen und Recherchen, leisteten immense Öffentlichkeitsarbeit und sezten sich insbesondere dafür ein, daß die große Mehrheit der in Mittel- und Osteuropa lebenden ehemaligen Zwangsarbeitern nicht von den Verhandlungen zwischen Deutschland und den USA ausgeschlossen blieben. Darüber hinaus trug der Bundesverband gemeinsam mit dem Kölner NS-Dokumentationszentrum zur Realisierung der Kampagne „Zwangsweise Kölsch” bei, die zu einer aktiven Erinnerung an NS-Zwangsarbeit in Köln beitragen sollte. Mit Federführung der AG "Arsch Huh", einer Kölner Künstlerinitiative gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, und in Zusammenarbeit mit dem "Kölner Stadtanzeiger" und dem Westdeutschen Rundfunk startete die Kampagne im Jahr 2000. Die öffentlichkeitswirksame Aktion erforderte vom Bundesverband und vom NS-Dokumentationszentrum sehr viel Zuarbeit, da die Künstler umfassend über die Problematik der NS-Zwangsarbeit informiert wurden. Auch die Artikelserie im "Kölner Stadtanzeiger" und die parallel laufende Dokumentarserie im Westdeutschen Rundfunk wurde fachlich vom Bundesverband vorbereitet, unterstützt und begleitet. Kontakte mit Zeitzeugen waren anzubahnen, aber auch der gesamte rechtliche und historische Hintergrund zu beleuchten. Die von Januar bis April 2000 laufende Serie brachte die NS-Zwangsarbeiter in Nordrhein Westfalen in den Fokus eines breiten Interesses.

Vor diesem Hintergrund liefen die internationalen Verhandlungen über die Entschädigung für NS-Zwangsarbeit zwischen der Bundesrepublik, den USA sowie den osteuropäischen Staaten. Die deutschen Delegationen, die nur aus Ministerialbeamten und Wirtschaftsführern bestanden, schlossen bei den Treffen in Washington, Berlin und Bonn die Opferverbände systematisch aus. Trotzdem gelang es dem Bundesverband an den Verhandlungen teilzunehmen. So wurde Lothar Evers durch das tschechische Außenministerium einfach zum Mitglied der eigenen Delegation ernannt. Damit war stets auch die Information der deutschen Verfolgten gesichert.

Die anschließenden Verhandlungen gestalteten sich äußerst mühsam, und waren immer wieder von unzulänglichen Angeboten der Bundesregierung und der deutschen Industrie geprägt. Der Bundesverband machte im Verlauf der Gespräche immer wieder auf Kontruktionsfehler der geplanten Stiftung aufmerksam und betonte, dass keine Opfergruppen ausgeschlossen werden durften. Nach zähen Verhandlungen und Auseinandersetzungen einigten sich die deutsche und die amerikanische Regierung schließlich auf die Zahlung von 10 Milliarden DM an ehemalige Zwangsarbeiter. Das Geld sollte je zur Hälfte vom Bund und von der Wirtschaft in eine Bundesstiftung mit dem Namen „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft” eingebracht werden. Mit Unterstützung aller Fraktionen im Deutschen Bundestag wurde am 2. August 2000 das Gesetz zur Gründung der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" (EVZ) verabschiedet. Als einzige deutsche NGO wurde der Bundesverband in das Kuratorium dieser Bundesstiftung aufgenommen.