Hier informieren wir Sie über aktuelle Entwicklungen aus dem Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. Erfahren Sie mehr über unsere Veranstaltungen, Projekte, Kooperationen und Auszeichnungen sowie über unsere Arbeit für Erinnerungskultur, historisch-politische Bildung und die Unterstützung von NS-Verfolgten und ihren Nachkommen.
Außerdem berichten wir über neue Bildungsangebote, Kampagnen und Initiativen und geben Einblicke in unser Engagement gegen Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus und weitere Formen der Diskriminierung.
21.07.2026
Bei der gestrigen Gedenkveranstaltung der Bundesregierung zum Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 kam es zu einem Eklat: Tobias Korenke, Großneffe des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, versuchte, einen von der AfD-Bundestagsfraktion niedergelegten Kranz zu entfernen. Sicherheitskräfte griffen ein, der Kranz wurde dabei beschädigt, Korenke musste die Veranstaltung verlassen.
Seine Begründung gegenüber Medien bringt die Gefühle vieler Nachkommen von NS-Verfolgten und Widerstandskämpfer:innen auf den Punkt: „Viele Nachkommen, und dazu gehöre auch ich, empfinden eine wirklich große Wut, wenn wir sehen, dass die AfD hier Kränze ablegt. Das werden wir hier nicht akzeptieren.“
Es ist für viele kaum auszuhalten, wenn ausgerechnet eine Partei, die immer wieder durch die Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen, Angriffe auf die deutsche Erinnerungskultur und rechtsextreme Positionen auffällt, sich an einem Gedenken an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt.
Warum viele Nachkommen diesen Kranz als Provokation empfinden
Als Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. vertreten wir zahlreiche Überlebende der nationalsozialistischen Verfolgung sowie ihre Kinder, Enkel:innen und weitere Nachkommen. Viele von ihnen haben Eltern oder Großeltern durch den Nationalsozialismus verloren. Bei anderen wirken die Folgen der Verfolgung bis heute in ihren Familien nach. Für sie ist das Gedenken an die Opfer und den Widerstand keine symbolische Pflichtübung, sondern Teil ihrer eigenen Familiengeschichte.
Dass die AfD als im Deutschen Bundestag vertretene Fraktion zu offiziellen Gedenkveranstaltungen eingeladen wird, ist ein durchaus diskutabler Ausdruck parlamentarischer Gepflogenheiten. Dass sie darüber hinaus einen Kranz niederlegt und sich damit symbolisch in die Tradition des Widerstands gegen den Nationalsozialismus stellen möchte, empfinden viele Betroffene jedoch als zutiefst widersprüchlich und verlogen.
Erinnerungskultur und rechtsextreme Rhetorik passen nicht zusammen
Die Partei und führende Vertreter:innen sind in den vergangenen Jahren immer wieder durch Äußerungen aufgefallen, die das nationalsozialistische Unrecht relativieren oder die deutsche Erinnerungskultur grundsätzlich infrage stellen. Alexander Gauland bezeichnete die Zeit des Nationalsozialismus als „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte. Björn Höcke forderte eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ und sprach vom Holocaust-Mahnmal in Berlin als einem „Denkmal der Schande“. Hinzu kommen zahlreiche weitere Aussagen von Funktionär:innen, die historische Verantwortung relativieren oder Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder anderer Merkmale ausgrenzen. Zudem wird die AfD bundesweit als rechtsextremistischer Verdachtsfall beziehungsweise in Teilen als gesichert rechtsextrem eingestuft; mehrere Landesverbände gelten als gesichert rechtsextrem.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Kranzniederlegung auf viele Nachkommen wie eine Vereinnahmung des historischen Widerstands für ein Narrativ, das mit den Werten der Widerstandskämpfer:innen unvereinbar ist. Die Beteiligten des Attentats vom 20. Juli 1944 sowie viele andere Widerstandsgruppen kämpften gegen ein Regime, das Menschen entrechtete, verfolgte und ermordete. Ihr Vermächtnis verpflichtet zu Demokratie, Menschenwürde und dem Schutz von Minderheiten.
Viele Nachkommen von NS-Verfolgten sehen es deshalb heute als ihre Verantwortung an, dieses Erbe fortzuführen. Sie engagieren sich gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus, berichten über die Geschichte ihrer Familien und setzen sich für eine lebendige Erinnerungskultur ein. Dass manche von ihnen dabei auch zu ungewöhnlichen Formen des Protests greifen, macht deutlich, wie tief die Sorge über die gegenwärtige Entwicklung sitzt.
Gerade der 20. Juli erinnert uns daran, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist. Sie lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen, Unrecht widersprechen und sich gegen diejenigen stellen, die die Lehren aus der Geschichte relativieren oder vergessen machen wollen. Und wenn das bedeutet, einen Kranz von denjenigen zu entfernen, die die Erinnerungskultur seit Jahren angreifen, dann ist selbst ein beschädigter Kranz am Ende wohl die ehrlichere Form des Gedenkens.
Am 8. Oktober 2026 um 15 Uhr werden Markus Reinhardt und Krystiane Vajda im Erzählcafé des Bundesverbandes Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. berichten.
Der Violinist Markus Reinhardt stammt aus einer Kölner Sinti-Familie. 1940 wurden seine Großeltern Karl Josef und Katharina Reinhardt mit ihren 12 Kindern und weiteren Familienangehörigen von Köln-Deutz in das besetzte Polen deportiert. Von dort wurde die Familie in verschiedene Lager verschleppt, später auch nach Auschwitz. Bei der Ankunft in Auschwitz schwor Karl Josef Reinhardt seine Familie auf das Überleben ein: „Wer es schafft, hier lebend rauszukommen, der trifft sich in Köln wieder!“ Karl Josef Reinhardt und seine Frau überlebten, doch sechs ihrer Kinder wurden im Lager ermordet. Zu den Überlebenden gehört auch Markus Reinhardts Vater, der die Hölle von Auschwitz als 11-jähriger Junge überstand. Nach dem Krieg kehrten die Überlebenden - wie vereinbart - an den Ort in Köln-Bickendorf zurück, von dem aus sie deportiert worden waren.
Markus Reinhardt wurde dort 1958 geboren. Gemeinsam mit seiner Frau Krystiane Vajda führte er Interviews mit noch lebenden Familienangehörigen. In den eindringlichen Gesprächen berichten sie erstmals von den Verbrechen in den Lagern - von Gewalt, Hunger und medizinischen Versuchen. Erinnerungen, die die Menschen ein Leben lang begleiteten. Auf Grundlage dieser Gespräche schrieb Krystiane Vajda zudem das Kinder- und Erwachsenenbuch „Niemals wegschauen – Der Weg der Sinti-Familie Reinhardt“, das die Verfolgungsgeschichte der Familie für junge Leser:innen verständlich und einfühlsam erzählt.
Das Kölner Erzählcafé findet mehrmals im Jahr statt und steht Schulklassen, Jugendgruppen und anderen Interessierten offen. Bei Interesse an einer Teilnahme bittet der Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. um eine kurze Voranmeldung unter 0221-179294-15 bzw. rex@nsberatung.de.
Kontakt:
Vanessa Rex
Tel. 0221-179294-15
rex@nsberatung.de
Veranstaltungsort:
Bürgerzentrum Nippes - Altenberger Hof
Mauenheimer Str. 92
50733 Köln
Wir freuen uns sehr, dass unsere langjährige Ehrenamtliche Faina Khazanova mit dem Miteinander-Preis für Demokratie und Vielfalt 2026 der Stadt Köln ausgezeichnet wurde.
Mit großem Engagement setzt sich Faina Khazanova seit vielen Jahren für jüdische Kontingentflüchtlinge und NS-Überlebende ein. Im Rahmen unseres Projekts „Warmes Zuhause“ sowie im ehrenamtlichen Besuchs- und Begleitdienst begleitet sie ältere Menschen, schafft Begegnungen und wirkt Einsamkeit, Isolation und gesellschaftlicher Unsichtbarkeit entgegen.
Die ehemalige Kinderärztin ist für viele der von uns begleiteten Menschen weit mehr als eine Ehrenamtliche: Sie ist Vertrauensperson, Zuhörerin und wichtige Bezugsperson. Dank ihrer fließenden Deutsch- und Russischkenntnisse baut sie sprachliche und kulturelle Brücken und ermöglicht vielen älteren Menschen überhaupt erst den Zugang zu Gemeinschaft und Unterstützung.
Mit der Auszeichnung würdigt die Stadt Köln ein Engagement, das oft im Verborgenen stattfindet und dennoch von unschätzbarem Wert für unsere Gesellschaft ist. Viele hochbetagte NS-Überlebende und jüdische Kontingentflüchtlinge sind von Einsamkeit betroffen. Persönliche Besuche, gemeinsame Gespräche oder Unterstützung im Alltag können für sie einen entscheidenden Unterschied machen.
Wir sind außerordentlich dankbar, Faina Khazanova in unserem ehrenamtlichen Team zu haben und gratulieren ihr von Herzen zu dieser wohlverdienten Ehrung!
Hinweis: Wir hätten diesen Beitrag gerne mit einem Porträtfoto von Faina Khazanova veröffentlicht. Sie hat sich jedoch bewusst dagegen entschieden – aus Sorge vor den Folgen des zunehmenden Antisemitismus. Dass eine engagierte Ehrenamtliche und Jüdin in Deutschland heute befürchten muss, durch die Sichtbarkeit ihres Gesichts zur Zielscheibe von Hass zu werden, ist alarmierend und macht deutlich, vor welchen Herausforderungen viele Jüdinnen:Juden heute stehen – und wie wichtig es bleibt, Antisemitismus entschieden entgegenzutreten.
Am Sonntag, den 5. Juli, feierte unser Animationsfilm über Peter Finkelgruen seine Premiere auf der großen Leinwand des Odeon Kinos in Köln – im Vorprogramm des Kölner Edelweißpiratenfestivals.
Für die beteiligten Jugendlichen war dieser Moment etwas ganz Besonderes: Den selbst entwickelten und produzierten Film erstmals auf einer Kinoleinwand zu erleben, war ein bewegender Abschluss eines intensiven gemeinsamen Projekts. Auch das Publikum zeigte sich beeindruckt. Im anschließenden Gespräch kamen die Jugendlichen mit den Besucher:innen über die Entstehung des Films, die Lebensgeschichte von Peter Finkelgruen und die Bedeutung der Edelweißpiraten ins Gespräch.
Ein herzliches Dankeschön an alle, die diesen besonderen Tag mit uns geteilt haben – insbesondere an unsere engagierten jungen Filmemacher:innen sowie an ihre Kursleiterin Diana Menestrey.
Die nächste Gelegenheit: Edelweißpiratenfestival am 12. Juli
Wer die Premiere verpasst hat, hat bereits am 12. Juli 2026 die nächste Gelegenheit, unsere Animationsfilme zu sehen: Im Rahmen des Edelweißpiratenfestivals im Kölner Friedenspark präsentiert der Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e. V. vier Animationsfilme über die Lebensgeschichten von Überlebenden der NS-Zeit: Richard Reinisch, Tamar Dreifuß, Marina Sagsaganska und Peter Finkelgruen.
Der Film über Peter Finkelgruen erzählt vom Widerstand der Edelweißpiraten gegen das NS-Regime und würdigt zugleich Peter Finkelgruens jahrzehntelangen Einsatz für die Anerkennung dieses Widerstands und für historische Gerechtigkeit.
Die Animationsfilme entstanden im Rahmen des Animationsfilm-Projekts mit Jugendlichen aus Köln. Ausgehend von persönlichen Begegnungen und Gesprächen mit Überlebenden und ihren Familien recherchierten die Teilnehmer:innen die Biografien, entwickelten die Geschichten und setzten sie gemeinsam als Animationsfilme um. So entstanden eindrucksvolle filmische Erinnerungen, die Geschichte aus der Perspektive der Betroffenen erzählen und für junge Menschen heute greifbarer machen.
Wir freuen uns darauf, viele Interessierte beim Edelweißpiratenfestival begrüßen zu dürfen!
Mindestens 160 Überlebende der nationalsozialistischen Verfolgung sind aktuell vom Wegfall zentraler sozialer Angebote betroffen. Nach dem überraschenden Ende der Förderung durch die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) stehen die Erzähl- und Begegnungscafés in Düsseldorf und Recklinghausen sowie das Projekt „Warmes Zuhause“ vor einer ungewissen Zukunft.
Die Angebote richten sich an hochbetagte Überlebende, von denen viele bis heute unter den Folgen von Verfolgung, Flucht und Traumatisierung leiden. Die regelmäßigen Treffen bieten geschützte Räume für Austausch, soziale Teilhabe und gegenseitige Unterstützung und wirken Isolation im Alter entgegen.
In den Begegnungscafés treffen sich Überlebende regelmäßig, begleitet von Mitarbeiter:innen und Ehrenamtlichen. Mehrmals jährlich finden öffentliche Erzählcafés statt, bei denen Zeitzeug:innen vor Schulklassen und interessierten Besucher:innen von ihren Lebensgeschichten berichten. Die persönlichen Begegnungen leisten einen wichtigen Beitrag zur historisch-politischen Bildung sowie zur Prävention von Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus.
Das Projekt „Warmes Zuhause“ richtet sich insbesondere an NS-Verfolgte mit Migrationsgeschichte, vor allem jüdische Zugewanderte aus der ehemaligen Sowjetunion. Seit 2009 entstehen in privaten Wohnungen soziale Netzwerke, die Integration fördern, Einsamkeit reduzieren und gegenseitige Unterstützung ermöglichen. Das Projekt wird inzwischen in mehreren Städten Nordrhein-Westfalens umgesetzt.
„Für die Teilnehmer:innen sind diese Angebote kein “nice to have”, sondern ein wichtiger sozialer Anker im Alltag“, erklärt Dr. Jost Rebentisch, Geschäftsführer beim Bundesverband. „Ohne neue Finanzierung droht ihr Wegfall. Das hat ausgerechnet für die Menschen, die bereits Ausgrenzung und Verfolgung erlebt haben, unmittelbare Konsequenzen.“
Die aktuelle Situation trifft den Bundesverband in einer ohnehin angespannten Phase: Erst Ende 2025 fiel auch die Förderung des erfolgreichen Social-Media-Bildungsprojekts #ZumFeindGemacht weg. Mehrere Projekte stehen gleichzeitig unter Finanzierungsdruck.
Um die Angebote fortführen zu können, wurde ein öffentlicher Spendenaufruf gestartet. Spenden sollen helfen, die Begegnungsangebote zu sichern, soziale Isolation zu verhindern und die Erinnerungsarbeit mit Überlebenden fortzuführen.
Weitere Informationen und Spendenmöglichkeiten finden Sie auf der Betterplace-Spendenseite.
Ein junger Familienvater, der willkürlich ermordet wurde: Ab heute ist die Lebensgeschichte von Henning Ørsberg auf der #ZumFeindGemacht-Webseite verfügbar.
Henning arbeitet als Arzt im Krankenhaus von Odense, der drittgrößten Stadt Dänemarks. Sein Land ist seit fünf Jahren von den deutschen Nationalsozialist:innen besetzt. Die dänische Widerstandsbewegung kämpft dagegen an – und die berüchtigte Petergruppe, die aus SS-Männern und Kollaborateuren besteht, rächt sich dafür an der Bevölkerung.
Henning ist nicht für seine widerständische Haltung bekannt und steht auf keiner Liste. Die Täter kennen nicht einmal seinen Namen. Im Alter von nur 29 Jahren wird er im Februar 1945 zum Opfer nationalsozialistischer Willkür.
Unsere Kollegin Alina Besser zeichnet seine Biografie nach - und erinnert damit an die Opfer der "Ausgleichsmorde".
Zur Biografie: www.zumfeindgemacht.de/fall/henning-orsberg/
Mit#ZumFeindGemacht erinnern wir an die Geschichten von Menschen, die im Nationalsozialismus als wegen unterschiedlichster Verfolgungsgründe ausgegrenzt, entrechtet und ermordet wurden - und machen deutlich, wie wichtig es ist, Diskriminierung und Ausgrenzung auch heute zu widersprechen.
Seit Anfang des Jahres befindet sich das Projekt in einer Finanzierungslücke. Um die Zeit bis zu einer Anschlussfinanzierung zu überbrücken, freuen wir uns über Spenden auf Betterplace.
Der Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. lädt zur Uraufführung des Animationsfilms „Peter Finkelgruen und die Geschichte der Edelweißpiraten“ (FSK 6 Jahre) ein. Die Premiere findet im Rahmen des Edelweißpiratenfestivals statt und wird von einem Podiumsgespräch mit Peter Finkelgruen sowie den Macher:innen des Films begleitet.
Premiere
Sonntag, 5. Juli 2026, 11:30 Uhr
Kölsche Filmmatinée im Odeon Kino Köln
Severinstraße 81, 50678 Köln
Ein ganzes Schuljahr lang haben junge Menschen im Alter von 10 bis 23 Jahren gemeinsam an diesem Animationsfilm gearbeitet. Unter der Anleitung professioneller Medienschaffender entwickelten sie eine bewegende filmische Auseinandersetzung mit dem Widerstand der Edelweißpiraten gegen den Nationalsozialismus und verknüpften diese mit der Lebensgeschichte von Peter Finkelgruen.
Ausgangspunkt des Projekts war die persönliche Begegnung mit Peter Finkelgruen, der 1942 im Exil in Shanghai geboren wurde. Seine Familiengeschichte ist eng mit den nationalsozialistischen Verbrechen verbunden: Sein Vater starb im Ghetto von Shanghai, seine Großmutter überlebte mehrere Konzentrationslager, sein Großvater wurde von den Nationalsozialist:innen ermordet. Ein Satz seiner Mutter prägte sein Leben und sein Engagement:
„Du musst dich wehren, wehren, wehren!“
Diese Haltung bestimmte auch seinen jahrzehntelangen Einsatz für Aufarbeitung und Gerechtigkeit. Peter Finkelgruen kämpfte dafür, dass der Mörder seines Großvaters juristisch verfolgt wurde, und setzte sich seit den späten 1970er Jahren beharrlich für die Anerkennung der Edelweißpiraten als Widerstandskämpfer:innen ein. Erst 2005 wurden die Edelweißpiraten in Köln offiziell rehabilitiert – Jahrzehnte nach ihrer Verfolgung und der Hinrichtung mehrerer ihrer Mitglieder im Jahr 1944.
Der Animationsfilm verbindet die Geschichte dieses jugendlichen Widerstands mit Peter Finkelgruens eigener Erfahrung von Verfolgung und seinem unermüdlichen Einsatz für Erinnerung und Demokratie.
Der Film entstand im Rahmen des Projekts „Animationsfilme über Flucht und Verfolgung vom Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart“. Jedes Jahr startet im September ein neuer Animationskurs, in dem Jugendliche gemeinsam einen Film zu ausgewählten Zeitzeug:innen entwickeln und realisieren.
Karten sind unter 0221 / 31 31 10, an der Kinokasse sowie über die Website des Odeon Kinos erhältlich.
Weitere Einblicke in den Entstehungsprozess der Animationsfilme bietet unsere Projektwebseite: bildungsprojekte.nsberatung.de
Das Projekt wird gefördert von Aktion Mensch sowie der RheinEnergieStiftung Jugend | Beruf, Wissenschaft und Soziokultur.
Wie wirkt die nationalsozialistische Verfolgung bis in die Gegenwart fort? Welche Geschichten werden erinnert – und welche blieben lange unerzählt?
In unserer Interview-Reihe „Stimmen der Folgegenerationen“ kommen bisher acht Nachkommen von NS-Verfolgten zu Wort. Sie teilen ihre Familiengeschichten und sprechen sehr persönlich darüber, was die Verfolgung mit ihren Familien gemacht hat. Ein wiederkehrendes Thema: Traumata, die über Generationen nachwirken, und ein oft jahrzehntelanges Schweigen.
Zugleich berichten sie von ihren Perspektiven auf Erinnerungskultur in Deutschland, den gesellschaftlichen Umgang mit der NS-Vergangenheit oder ihren Erfahrungen mit Antisemitismus.
Zu den bisherigen Interviewpartner:innen gehören u. a.:
Die Interviews finden Sie auf YouTube. Weitere Videos folgen.
Dadurch, dass es nur noch wenige Überlebende gibt, die über ihre Erlebnisse unter dem NS-Regime erzählen können, kommt der Perspektive der Nachkommen eine immer größere Bedeutung für die Erinnerungskultur zu.
Ihre Perspektive kann helfen, für Folgen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu sensibilisieren und aufzuzeigen, wie Verfolgung, Ausgrenzung und Entrechtung ganze Familien über Generationen belasten können. Doch bis heute sind ihre Perspektiven und die Auswirkungen der NS-Zeit auf ihr Leben vielen kaum bekannt. Wir halten es für wichtig, ihren Familiengeschichten und persönlichen Erleben Raum zu geben und ihnen Gehör zu verschaffen.
Keine Zeit, die Interviews in voller Länge zu schauen? Die persönlichen Berichte der Nachkommen finden Sie auch auf unserer Webseite.
Sie suchen Erzähler:innen für Ihr Bildungsprojekt? Über den Bundesverband können Lehrkräfte, Schulen und andere Multiplikator:innen Nachkommen von NS-Verfolgten als Erzähler:innen für Workshops, Gespräche und Erzählcafés anfragen. Bei Interesse wenden Sie sich gerne per Mail an info@nsberatung.de.
Am 11. Juni 2026 war ein besonderer Tag für unser VR-Projekt „Erinnerungsräume der Flucht“:
Der Projektkurs der 11. Jahrgangsstufe der Gesamtschule Lindenthal in Köln präsentierte die Ergebnisse seiner intensiven Arbeit vor Mitschüler:innen und Lehrkräften. Fast 100 Besucher:innen hatten die Gelegenheit, die entstandenen Virtual-Reality-Welten zu erleben und in die Geschichten einzutauchen, die die Jugendlichen auf Grundlage von Zeitzeug:innen-Interviews gestaltet haben.
Im Projekt setzen sich junge Menschen mit den Lebensgeschichten von Überlebenden der NS-Verfolgung auseinander, führen Interviews, recherchieren historische Hintergründe und übersetzen prägende Szenen in künstlerische Dioramen, die anschließend in die virtuelle Realität übertragen werden. So entstehen neue Zugänge zur Erinnerungskultur, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden und den Blick auf Themen wie Flucht, Ausgrenzung und Diskriminierung schärfen.
Besonders bewegend war die persönliche und emotionale Rede des Schulleiters, Herrn Zdriliuk, der die Bedeutung von Erinnerung und demokratischem Zusammenhalt hervorhob. Wir danken allen Schüler:innen, Lehrkräften, Zeitzeug:innen und Projektbeteiligten, die dieses besondere Erlebnis möglich gemacht haben.
Diese Sorge äußern zunehmend Überlebende der NS-Verfolgung und ihre Angehörigen in Gesprächen mit uns. Menschen, die den Nationalsozialismus, Verfolgung und Ausgrenzung erlebt haben, berichten heute erneut von Angst und wachsender Unsicherheit im öffentlichen Raum.
Der neue Jahresbericht der Fachstelle gegen Antisemitismus im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln verdeutlicht, dass diese Sorgen nicht unbegründet sind: Für das Jahr 2025 wurden insgesamt 321 antisemitische Vorfälle im Kölner Stadtgebiet dokumentiert – ein Anstieg um 40 % gegenüber dem Vorjahr und der höchste Stand seit Beginn der systematischen Erfassung im Jahr 2020.
Neben körperlichen Angriffen umfasst die Mehrheit der dokumentierten Vorfälle weiterhin verbale Anfeindungen, Schmierereien oder antisemitische Äußerungen auf Demonstrationen. Insgesamt waren im Jahr 2025 mindestens 225 Menschen in Köln direkt von antisemitischen Taten oder Äußerungen betroffen.
Für viele Jüdinnen:Juden hat diese Entwicklung konkrete Auswirkungen auf ihr Sicherheitsgefühl und ihren Alltag. Besonders erschütternd ist, dass auch Überlebende der NS-Verfolgung zunehmend das Gefühl äußern, ihre Identität nicht mehr offen zeigen zu wollen.
Dass Menschen, die die Verbrechen des Nationalsozialismus überlebt haben, heute erneut Angst vor antisemitischen Anfeindungen haben, darf nicht normal werden.
Der Bericht weist zudem auf ein erhebliches Dunkelfeld hin: Zwar handelte es sich bei 35 % der dokumentierten Vorfälle um Straftaten, jedoch ist nur in 18 % der Fälle bekannt, dass Anzeige bei der Polizei erstattet wurde.
Wir beobachten mit großer Sorge, dass viele Jüdinnen:Juden inzwischen wieder darüber nachdenken müssen, ob sie ihre Identität im Alltag offen zeigen können, ohne Anfeindungen oder Bedrohungen zu erleben.
Ebenso besorgniserregend ist die zunehmende Erwartung, dass Jüdinnen in Deutschland sich pauschal für die Politik des Staates Israel rechtfertigen sollen – unabhängig davon, ob sie persönliche Bezüge dorthin haben oder nicht. Dass solche Entwicklungen zunehmend relativiert oder als gesellschaftliche Normalität hingenommen werden, darf nicht akzeptiert werden.
Den vollständigen Jahresbericht der Fachstelle gegen Antisemitismus im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln finden Sie hier.
So lautet der Titel eines aktuellen Artikels im Magazin Cicero. Autorin Pat Christ beschreibt eindrücklich, wie die Stimmen von NS-Überlebenden – insbesondere die der jüdischen Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion – im öffentlichen Diskurs bis heute zu wenig Gehör finden. Gleichzeitig geraten wichtige Unterstützungs- und Begegnungsangebote für genau diese Menschen durch fehlende Finanzierung zunehmend unter Druck.
Seit über 30 Jahren begleiten wir NS-Überlebende und ihre Familien, schaffen Räume für Begegnung, Austausch und Erinnerungsarbeit. Unsere Begegnungscafés in Köln, Recklinghausen und Düsseldorf sind für viele hochbetagte Menschen wichtige Orte gegen Einsamkeit und Isolation, an denen ihre Geschichten gehört und weitergetragen werden.
Doch genau diese Angebote sind gefährdet. Nachdem wichtige Fördermittel weggefallen sind, kämpfen wir derzeit darum, die Begegnungscafés in Recklinghausen und Düsseldorf weiterführen zu können. Das Projekt „Warmes Zuhause“ musste bereits eingestellt werden.
Während NS-Verfolgung heute stärker öffentlich thematisiert wird als früher, bleibt die Perspektive von Überlebenden aus Osteuropa oft unsichtbar – obwohl die Verfolgungen, systematischen Massenmorde, Zwangsarbeit und brutale Ausbeutung dort besonders grausam waren.
Die Erfahrungen der Überlebenden mahnen uns bis heute:
Krieg, Verfolgung und Ausgrenzung enden nicht mit dem historischen Ereignis. Sie wirken über Generationen hinweg fort. Umso wichtiger ist es, Räume zu erhalten, in denen Begegnung, Zuhören und solidarisches Miteinander möglich bleiben.
Wenn Sie unsere Arbeit unterstützen möchten, freuen wir uns über jede Beteiligung an unserer Crowdfunding-Kampagne.
Link zur Spendenseite: https://www.betterplace.org/de/projects/172027
Den vollständigen Artikel von Pat Christ finden Sie hier:
https://www.cicero.de/kultur/erinnerungskultur-ns-verfolgte-stimmen-holocaust
Vor Kurzem durften wir Prof. Dr. Frank Bösch, Direktor des Leibniz-Institut für Zeithistorische Forschung in Potsdam, im Kölner Begegnungscafé begrüßen. Das Begegnungscafé ist ein geschützter Ort, an dem Überlebende der NS-Verfolgung und ihre Nachkommen regelmäßig zusammenkommen, um ihre Erfahrungen zu teilen und im Austausch zu bleiben. Viele der Teilnehmer:innen sind zudem jüdische Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion und den Nachfolgestaaten.
Für sein aktuelles Forschungsprojekt zur Migration im Kontext des Mauerfalls sprach Professor Bösch vor Ort mit Zeitzeug:innen, die Anfang der 1990er-Jahre, teilweise aber auch früher, als Jüdinnen:Juden aus der Sowjetunion und anderen (post)sozialistischen Staaten nach Deutschland gekommen sind. Übersetzt und begleitet wurden die Gespräche von Professorin Dr. Katja Makhotina, Professorin für Osteuropäische Geschichte an der FAU Erlangen-Nürnberg.
Im Interview mit Professor Bösch wurde deutlich, wie wenig sichtbar diese Lebensgeschichten bis heute in der öffentlichen Wahrnehmung sind. Er beschreibt es so:
„In der öffentlichen Wahrnehmung sind sie eigentlich nicht sehr sichtbar, außer im literarischen Markt, weil viele der jüdischen Einwanderer, besonders die jüngeren, Bücher geschrieben haben. [...] In der Forschung gibt es Studien aus den 1990er Jahren, die auf Interviews basieren. Archivgestützte Arbeiten, wie ich sie jetzt durchführe, gibt es bisher nicht.“
Professor Bösch betonte auch die Bedeutung von Erzähl- und Begegnungscafés:
„Erzählcafés sind sehr wichtig, weil sie Zeitzeug:innen und Überlebende von furchtbaren Ereignissen zusammenbringen. "Dass ich heute hier mit etwa zehn Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sprechen kann, ist nur durch ein solches Erzählcafé möglich.“
Während in Köln die Arbeit der Cafés aktuell gesichert ist, stehen die Standorte in Düsseldorf und Recklinghausen aufgrund eines Förderstopps vor dem Aus. Ohne verlässliche Unterstützung wird es zunehmend schwieriger, solche geschützten Räume für Überlebende der NS-Verfolgung langfristig zu erhalten.
Damit diese wichtigen Orte auch in Zukunft bestehen können, sind wir auf Unterstützung angewiesen.
Helfen Sie mit einer Spende über betterplace!
Am 26.03.2026 durften wir in Düsseldorf eine besondere Auszeichnung entgegennehmen: Unser Projekt „Ehrenamtlicher Besuchs- und Begleitdienst“ wurde mit einem Sonderpreis im Rahmen des Ehrenamtspreises „Ehrenamt schafft Begegnung“ des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW geehrt.
Aus insgesamt 183 nominierten Projekten wurden zehn Preisträger:innen ausgewählt – zusätzlich wurden zwei Sonderpreise vergeben. Wir freuen uns sehr, dass unser Engagement in dieser Form gewürdigt wurde.
Die Preisverleihung fand in Düsseldorf statt und wurde durch Minister Karl-Josef Laumann eröffnet.
Der Sonderpreis ist für uns eine große Anerkennung und vor allem eine Würdigung des Einsatzes unserer engagierten und langjährigen Ehrenamtlichen.
Im Rahmen der ordentlichen Mitgliederversammlung am 13. März 2026 wurde der Vorstand des Bundesverbands neu gewählt. Dabei bestätigt sich die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre in einer weitgehenden personellen Kontinuität: Vorstandsvorsitzender Volker Kirchesch, stellv. Vorstandsvorsitzende Hanna Brabanski und die Beisitzer Frank-Ludwig Thiel, Emanuel Reithofer, Michael Teupen und Alexander Bakalejnik wurden wiedergewählt.
Eine Veränderung gibt es im Amt der Schatzmeisterin: Diese Position wurde mit Britta Engel neu besetzt. Britta Engel übernimmt künftig die Verantwortung für die finanziellen Belange des Bundesverbands. Wir bedanken uns herzlich bei der bisherigen Amtsinhaberin Inge Spiecker für ihr langjähriges Engagement und ihre wertvolle Arbeit und heißen Britta Engel als neue Schatzmeisterin willkommen.
Mit der Neuwahl sieht sich der Bundesverband gut aufgestellt, um die bisherigen Projekte fortzuführen und neue Impulse zu setzen. Ziel bleibt es, die Arbeit des Bundesverbands im Sinne seiner satzungsgemäßen Aufgaben zur Unterstützung von NS-Verfolgten und ihren Nachkommen sowie zur historisch-politischen Bildungsarbeit erfolgreich weiterzuentwickeln.
Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Richard Reinisch, einem Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung, der bis ins hohe Alter unermüdlich seine Geschichte teilte und sich für Erinnerung, Aufklärung und Menschlichkeit engagierte.
Richard Reinisch wurde 1929 geboren. Seine Kindheit war geprägt von Flucht, Gewalt und existenzieller Bedrohung. Der Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen und später auf die Sowjetunion zwang ihn zu einer nicht enden wollenden Flucht durch Polen, die Sowjetunion und schließlich bis nach Budapest. Während der nationalsozialistischen Verfolgung wurde sein Vater von der Gestapo ermordet. Seine Mutter sah er erst nach dem Krieg in Israel wieder.
Dass Richard Reinisch überlebte, verdankte er einer Kette von Zufällen, der Hilfe anderer Menschen und einem kaum vorstellbaren Glück. Trotz der erlittenen Verluste und Traumata kehrte er später nach Deutschland zurück – in ein Land, das ihn einst verfolgt hatte – und entschied sich bewusst dafür, seine Lebensgeschichte zu erzählen.
Bis in die letzten Jahre seines Lebens blieb er als Zeitzeuge aktiv. Besonders verbunden war er unserem Animationsprojekt, in dem er Schüler:innen von seiner Verfolgungsgeschichte berichtete. Aus diesen Begegnungen entstand ein preisgekrönter Animationsfilm. Der Film ist ein Zeugnis dafür, wie Richard Reinischs persönliche Erinnerung junge Menschen erreichen konnte und er Geschichte lebendig machte.
Richard Reinisch begegnete den Jugendlichen mit Offenheit. Seine Erzählung seiner Familien- und Verfolgungsgeschichte war mehr als ein Bericht über die Vergangenheit: Es war eine Mahnung gegen Hass, Antisemitismus und Ausgrenzung sowie ein Appell an Verantwortung und Mitgefühl.
Mit seinem Tod verlieren wir einen wichtigen Zeitzeugen und Menschen, der trotz allem Vertrauen in die Kraft von Bildung, Begegnung und Erinnerung bewahrte. Sein Vermächtnis lebt in den Geschichten, die er hinterlassen hat, und in den jungen Menschen, die er berührt hat, weiter.
Wir werden Richard Reinisch ein ehrendes Andenken bewahren.
Mit großer Trauer haben wir vom Tod des Arztes und Menschen Dr. Semen Glusman erfahren, der am 16. Februar 2026 verstorben ist. Die Nachricht hinterlässt schmerzliche Wehmut – zugleich aber auch ein Gefühl der Dankbarkeit darüber, sein Zeitgenosse gewesen zu sein und ihn persönlich wie kollegial gekannt zu haben.
Ich hatte die Ehre, ihm auf Kongressen und Tagungen zu begegnen, mich mit ihm auszutauschen und seinen Worten zuzuhören – Worten voller fachlicher Klarheit, menschlicher Wahrhaftigkeit und moralischer Überzeugung.
Dr. Semen Glusman leitete u. a. die Ukrainische Psychiatrische Vereinigung sowie das Internationale Medizinische Rehabilitationszentrum für Opfer von Kriegen und totalitären Regimen in der Ukraine und arbeitete mit dem Bundesverband zusammen. Sein Wirken war stets von tiefem Humanismus geprägt. Unermüdlich setzte er sich für Menschenwürde, für Gerechtigkeit und für die Unterstützung von Verfolgten und Traumatisierten ein.
Er lebte nach seinem Gewissen und diente den Menschen sowie seiner Heimat Ukraine mit Würde und Ehre.
Wir werden ihm ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren.
Nachruf unseres Vorstandsmitglieds Dipl. Med. Alexander Bakalejnik.
Vor einigen Wochen haben wir darüber informiert, dass die bisherige Finanzierung des historisch-politischen Bildungsprojekts #ZumFeindGemacht zum Jahresende ausläuft und eine Spendenkampagne gestartet wurde.
Durch diese Unterstützung konnten bislang über 6.000 € eingeworben werden. Die Summe reicht nicht aus, um das Projekt im bisherigen Umfang fortzuführen, ermöglicht jedoch eine zeitlich begrenzte Übergangslösung: Ein Teil des Teams wird #ZumFeindGemacht vorübergehend ehrenamtlich weiterführen.
Eine Anschlussfinanzierung konnte bislang nicht gesichert werden. Die Suche nach langfristigen Fördermöglichkeiten wird fortgesetzt. Um diese Übergangsphase zu überbrücken und die Arbeit an #ZumFeindGemacht nicht vollständig einstellen zu müssen, ist das Projekt weiterhin auf Unterstützung angewiesen.
Warum Ihre Hilfe weiterhin entscheidend ist
#ZumFeindGemacht ist für viele junge Menschen, Lehrkräfte und Multiplikator:innen ein wichtiger Ort der digitalen Erinnerungskultur geworden. Damit die Stimmen der NS-Verfolgten und ihrer Nachkommen nicht verstummen, braucht es auch in dieser Übergangszeit Solidarität und finanzielle Unterstützung.
Wir bitten Sie daher:
Helfen Sie uns, diese Phase zu überbrücken, und helfen Sie #ZumFeindGemacht.
Jetzt für #ZumFeindGemacht spenden
Dank der Unterstützung der Hans und Berthold Finkelstein Stiftung können wir allen, die uns über Betterplace mit einer Spende unterstützen, etwas zurückgeben: Als kleines Dankeschön erhalten Sie einen Jutebeutel mit dem #ZumFeindGemacht-Logo – solange der Vorrat reicht. Schicken Sie einfach eine kurze E-Mail mit Ihrer Versandadresse an info@nsberatung.de, und Ihr Jutebeutel macht sich auf den Weg zu Ihnen.
Bleiben Sie dran, folgen Sie uns weiter – und danke, dass Sie #ZumFeindGemacht möglich machen.
Bedüftige Überlebende der NS-Verfolgung in Köln konnten in diesem Jahr wieder Weihnachtspakete erhalten. Die Pakete stammen aus der Kölner-Rundschau-Altenhilfe DIE GUTE TAT e.V.. Der Bundesverband hat die Pakete für Senior:innen, die nicht in stationären Einrichtungen leben, beantragt und im Rahmen des Begegnungscafés für Überlebende der NS-Verfolgung in Köln persönlich verteilt.
Die Freude bei der Übergabe war groß: Gespräche, Lachen und ein herzliches Miteinander prägten den Nachmittag. Die Pakete sollen nicht nur materielle Unterstützung bieten, sondern auch ein Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung für die Überlebenden sein.
„Diese Begegnungen sind für uns alle berührend und zeigen, wie wichtig Solidarität und Gemeinschaft gerade in der Weihnachtszeit sind“, sagt Vanessa Rex, Projektleiterin im Erzähl- und Begegnungscafé Köln.
Der Bundesverband dankt allen Partner:innen und Unterstützer:innen, die diese Aktion möglich gemacht haben.
Der Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. freut sich, die Verlängerung des innovativen Projekts „Erinnerungsräume der Flucht“ bis Ende Juli 2027 bekanntzugeben.
Das Projekt verbindet historische Bildungsarbeit mit modernster Virtual-Reality-Technologie: Junge Menschen lernen Überlebende der NS-Verfolgung kennen, führen Interviews und arbeiten prägende Szenen ihrer Lebensgeschichten heraus. Diese Szenen werden zunächst künstlerisch in Form von Dioramen umgesetzt und anschließend digitalisiert. Durch das Scannen und Übertragen in die virtuelle Realität entstehen immersive Erinnerungsräume, die durch kontextualisierende Erläuterungen eine intensive Auseinandersetzung mit den Verfolgungsgeschichten der Überlebenden ermöglichen.
Neben der historischen Auseinandersetzung erwerben die Teilnehmer:innen technische Kompetenzen und setzen sich mit gesellschaftlich relevanten Themen wie Ausgrenzung, Diskriminierung, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Flucht auseinander. Das Projekt schafft zudem einen sicheren Raum, um eigene Familien- und Fluchtgeschichten zu reflektieren und Parallelen zu ziehen.
Die Ergebnisse werden regelmäßig öffentlich präsentiert, zuletzt im Rahmen der Museumsnacht 2024 im NS-Dokumentationszentrum Köln.
Durch die Verbindung von digitalen und analogen Formaten wird jungen Menschen ein innovativer Zugang zur Geschichte der NS-Verfolgung ermöglicht und sie zur Reflexion über demokratische Werte angeregt.
Als nächstes wird das VR-Projekt an der Gesamtschule Lindenthal in Köln stattfinden. Interessierte Schulen, Jugendgruppen und Multiplikator:innen sind herzlich eingeladen, sich für eine Teilnahme am Projekt zu melden.
Kontakt:
Katharina Pysmenna (Tel. 0221 17 92 94 18 / pysmenna@nsberatung.de)
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