Prof. Felix Kolmer ist am 05.08.2022 in Prag verstorben. Er war erst im Mai diesen Jahres 100 Jahre alt geworden. Felix überlebte die Gefangenschaft in Theresienstadt und Auschwitz. Er engagierte sich leidenschaftlich für Entschädigung, Wiedergutmachung und Versöhnung. Felix und den Bundesverband verbindet eine lange gemeinsame Geschichte. Von 2000 bis 2005 und dann noch einmal von 2008 bis 2012 war er stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands, von 2012 bis 2021 sein Vorsitzender. Es ist Felix immer ein Anliegen gewesen, für alle ehemaligen Häftlinge einzutreten – es war ihm sehr wichtig, dass auch die nichtjüdischen Überlebenden Berücksichtigung fanden. Hier trafen sich seine Absichten und Forderungen mit denen des Bundesverbands. Dass er sich überzeugen ließ, Mitglied des Vorstands des Bundesverbands zu werden und dies für fast 20 Jahre zu bleiben, ist ein großes Kompliment für unsere Organisation.

Und Felix engagierte sich nicht nur in unserem Vorstand, er stand auch wieder und wieder als Zeitzeuge zur Verfügung, um vor allem jungen Menschen über seine Erlebnisse während der Nazizeit zu berichten. Die jungen Leute sollten verstehen – und aus diesem Verständnis lernen. Er sagte immer wieder: „Ihr habt keine Schuld an dem, was passiert ist. Aber ihr habt die Verantwortung dafür, dass es nicht wieder passiert.“ Dreimal war Felix als Zeitzeuge im Erzählcafé des Bundesverbands, zweimal in Köln (2010 und 2013) und einmal in Münster (2014), dazu noch einige Male an Schulen in vom Bundesverband organisierten Zeitzeugenbegegnungen.

Für den Bundesverband hat Felix immer wieder Brücken gebaut – und die Brücken, die Felix baute, sind bis heute stabil. Er wird uns fehlen – und der Welt. Möge seine Erinnerung ein Segen sein.

Foto: Stefan Hanke

 

 

 

Gemeinsam gegen das Vergessen

Der Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte vertritt die Interessen aller NS-Verfolgten und ihrer Nachkommen. Wir beraten die Betroffenen und verbessern mit sozialen Projekten die Lebenssituation der Überlebenden. Unsere Zeitzeugenprojekte bieten jungen Menschen im direkten Austausch mit den ehemals Verfolgten einen ganz persönlichen Zugang zur Geschichte der NS-Zeit.

 

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