Anlässlich des 85. Jahrestags des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion laden KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V. und der Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. gemeinsam zu einer Gedenk- und Gesprächsveranstaltung ein. Im Mittelpunkt des Abends steht die Präsentation des Buches „Blokadniki“, das die Erinnerungen von Überlebenden der Blockade von Leningrad dokumentiert.
Am 22. Juni 1941 begann mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion ein beispielloser Vernichtungs- und Eroberungskrieg. Zu seinen schwersten Verbrechen zählt die Belagerung Leningrads, die 872 Tage andauerte. Mehr als eine Million Menschen verloren dabei ihr Leben, die meisten von ihnen verhungerten. Trotz des enormen Ausmaßes dieses Verbrechens ist die Blockade Leningrads in Deutschland bis heute vergleichsweise wenig bekannt. Für die Überlebenden und ihre Familien bedeutet diese mangelnde öffentliche Wahrnehmung häufig eine schmerzhafte Erfahrung.
Mehr als acht Jahrzehnte nach diesen Ereignissen möchten KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V. und der Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. die Stimmen derjenigen in den Mittelpunkt stellen, die die Blockade als Kinder und Jugendliche überlebt haben. Katarina Gavrik und Svetlana Fourer vom Bundesverband präsentieren das im Rahmen eines Interviewprojekts entstandene Buch „Blokadniki“. Das Werk versammelt eindringliche Erinnerungsberichte von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und gibt Einblicke in Hunger, Kälte, Verlust und Tod, aber auch in menschliche Würde und die lebenslange Last des Erinnerns.
Das Grußwort sowie die Moderation übernimmt Ragna Vogel, Geschäftsführerin von KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V. Im Anschluss sind die Gäste zu einem Empfang mit Gelegenheit zum Gespräch und Austausch mit den Referent:innen eingeladen.
Termin und Ort
Freitag, 26. Juni 2026, 19:00 Uhr
Feurigstraße 68, 10827 Berlin-Schöneberg
(S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke)
Der Eintritt ist frei.
Anmeldungen werden erbeten unter: info@kontakte-kontakty.de oder Telefon: +49 30 78 70 52 88
Diese Sorge äußern zunehmend Überlebende der NS-Verfolgung und ihre Angehörigen in Gesprächen mit uns. Menschen, die den Nationalsozialismus, Verfolgung und Ausgrenzung erlebt haben, berichten heute erneut von Angst und wachsender Unsicherheit im öffentlichen Raum.
Der neue Jahresbericht der Fachstelle gegen Antisemitismus im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln verdeutlicht, dass diese Sorgen nicht unbegründet sind: Für das Jahr 2025 wurden insgesamt 321 antisemitische Vorfälle im Kölner Stadtgebiet dokumentiert – ein Anstieg um 40 % gegenüber dem Vorjahr und der höchste Stand seit Beginn der systematischen Erfassung im Jahr 2020.
Neben körperlichen Angriffen umfasst die Mehrheit der dokumentierten Vorfälle weiterhin verbale Anfeindungen, Schmierereien oder antisemitische Äußerungen auf Demonstrationen. Insgesamt waren im Jahr 2025 mindestens 225 Menschen in Köln direkt von antisemitischen Taten oder Äußerungen betroffen.
Für viele Jüdinnen:Juden hat diese Entwicklung konkrete Auswirkungen auf ihr Sicherheitsgefühl und ihren Alltag. Besonders erschütternd ist, dass auch Überlebende der NS-Verfolgung zunehmend das Gefühl äußern, ihre Identität nicht mehr offen zeigen zu wollen.
Dass Menschen, die die Verbrechen des Nationalsozialismus überlebt haben, heute erneut Angst vor antisemitischen Anfeindungen haben, darf nicht normal werden.
Der Bericht weist zudem auf ein erhebliches Dunkelfeld hin: Zwar handelte es sich bei 35 % der dokumentierten Vorfälle um Straftaten, jedoch ist nur in 18 % der Fälle bekannt, dass Anzeige bei der Polizei erstattet wurde.
Wir beobachten mit großer Sorge, dass viele Jüdinnen:Juden inzwischen wieder darüber nachdenken müssen, ob sie ihre Identität im Alltag offen zeigen können, ohne Anfeindungen oder Bedrohungen zu erleben.
Ebenso besorgniserregend ist die zunehmende Erwartung, dass Jüdinnen in Deutschland sich pauschal für die Politik des Staates Israel rechtfertigen sollen – unabhängig davon, ob sie persönliche Bezüge dorthin haben oder nicht. Dass solche Entwicklungen zunehmend relativiert oder als gesellschaftliche Normalität hingenommen werden, darf nicht akzeptiert werden.
Den vollständigen Jahresbericht der Fachstelle gegen Antisemitismus im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln finden Sie hier.
So lautet der Titel eines aktuellen Artikels im Magazin Cicero. Autorin Pat Christ beschreibt eindrücklich, wie die Stimmen von NS-Überlebenden – insbesondere die der jüdischen Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion – im öffentlichen Diskurs bis heute zu wenig Gehör finden. Gleichzeitig geraten wichtige Unterstützungs- und Begegnungsangebote für genau diese Menschen durch fehlende Finanzierung zunehmend unter Druck.
Seit über 30 Jahren begleiten wir NS-Überlebende und ihre Familien, schaffen Räume für Begegnung, Austausch und Erinnerungsarbeit. Unsere Begegnungscafés in Köln, Recklinghausen und Düsseldorf sind für viele hochbetagte Menschen wichtige Orte gegen Einsamkeit und Isolation, an denen ihre Geschichten gehört und weitergetragen werden.
Doch genau diese Angebote sind gefährdet. Nachdem wichtige Fördermittel weggefallen sind, kämpfen wir derzeit darum, die Begegnungscafés in Recklinghausen und Düsseldorf weiterführen zu können. Das Projekt „Warmes Zuhause“ musste bereits eingestellt werden.
Während NS-Verfolgung heute stärker öffentlich thematisiert wird als früher, bleibt die Perspektive von Überlebenden aus Osteuropa oft unsichtbar – obwohl die Verfolgungen, systematischen Massenmorde, Zwangsarbeit und brutale Ausbeutung dort besonders grausam waren.
Die Erfahrungen der Überlebenden mahnen uns bis heute:
Krieg, Verfolgung und Ausgrenzung enden nicht mit dem historischen Ereignis. Sie wirken über Generationen hinweg fort. Umso wichtiger ist es, Räume zu erhalten, in denen Begegnung, Zuhören und solidarisches Miteinander möglich bleiben.
Wenn Sie unsere Arbeit unterstützen möchten, freuen wir uns über jede Beteiligung an unserer Crowdfunding-Kampagne.
Link zur Spendenseite: https://www.betterplace.org/de/projects/172027
Den vollständigen Artikel von Pat Christ finden Sie hier:
https://www.cicero.de/kultur/erinnerungskultur-ns-verfolgte-stimmen-holocaust
Vor Kurzem durften wir Prof. Dr. Frank Bösch, Direktor des Leibniz-Institut für Zeithistorische Forschung in Potsdam, im Kölner Begegnungscafé begrüßen. Das Begegnungscafé ist ein geschützter Ort, an dem Überlebende der NS-Verfolgung und ihre Nachkommen regelmäßig zusammenkommen, um ihre Erfahrungen zu teilen und im Austausch zu bleiben. Viele der Teilnehmer:innen sind zudem jüdische Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion und den Nachfolgestaaten.
Für sein aktuelles Forschungsprojekt zur Migration im Kontext des Mauerfalls sprach Professor Bösch vor Ort mit Zeitzeug:innen, die Anfang der 1990er-Jahre, teilweise aber auch früher, als Jüdinnen:Juden aus der Sowjetunion und anderen (post)sozialistischen Staaten nach Deutschland gekommen sind. Übersetzt und begleitet wurden die Gespräche von Professorin Dr. Katja Makhotina, Professorin für Osteuropäische Geschichte an der FAU Erlangen-Nürnberg.
Im Interview mit Professor Bösch wurde deutlich, wie wenig sichtbar diese Lebensgeschichten bis heute in der öffentlichen Wahrnehmung sind. Er beschreibt es so:
„In der öffentlichen Wahrnehmung sind sie eigentlich nicht sehr sichtbar, außer im literarischen Markt, weil viele der jüdischen Einwanderer, besonders die jüngeren, Bücher geschrieben haben. [...] In der Forschung gibt es Studien aus den 1990er Jahren, die auf Interviews basieren. Archivgestützte Arbeiten, wie ich sie jetzt durchführe, gibt es bisher nicht.“
Professor Bösch betonte auch die Bedeutung von Erzähl- und Begegnungscafés:
„Erzählcafés sind sehr wichtig, weil sie Zeitzeug:innen und Überlebende von furchtbaren Ereignissen zusammenbringen. "Dass ich heute hier mit etwa zehn Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sprechen kann, ist nur durch ein solches Erzählcafé möglich.“
Während in Köln die Arbeit der Cafés aktuell gesichert ist, stehen die Standorte in Düsseldorf und Recklinghausen aufgrund eines Förderstopps vor dem Aus. Ohne verlässliche Unterstützung wird es zunehmend schwieriger, solche geschützten Räume für Überlebende der NS-Verfolgung langfristig zu erhalten.
Damit diese wichtigen Orte auch in Zukunft bestehen können, sind wir auf Unterstützung angewiesen.
Helfen Sie mit einer Spende über betterplace!
Wie wirkt die nationalsozialistische Verfolgung bis in die Gegenwart fort? Welche Geschichten werden erinnert – und welche blieben lange unerzählt?
In unserer Interview-Reihe „Stimmen der Folgegenerationen“ kommen bisher acht Nachkommen von NS-Verfolgten zu Wort. Sie teilen ihre Familiengeschichten und sprechen sehr persönlich darüber, was die Verfolgung mit ihren Familien gemacht hat. Ein wiederkehrendes Thema: Traumata, die über Generationen nachwirken, und ein oft jahrzehntelanges Schweigen.
Zugleich berichten sie von ihren Perspektiven auf Erinnerungskultur in Deutschland, den gesellschaftlichen Umgang mit der NS-Vergangenheit oder ihren Erfahrungen mit Antisemitismus.
Zu den bisherigen Interviewpartner:innen gehören u. a.:
Die Interviews finden Sie auf YouTube. Weitere Videos folgen.
Dadurch, dass es nur noch wenige Überlebende gibt, die über ihre Erlebnisse unter dem NS-Regime erzählen können, kommt der Perspektive der Nachkommen eine immer größere Bedeutung für die Erinnerungskultur zu.
Ihre Perspektive kann helfen, für Folgen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu sensibilisieren und aufzuzeigen, wie Verfolgung, Ausgrenzung und Entrechtung ganze Familien über Generationen belasten können. Doch bis heute sind ihre Perspektiven und die Auswirkungen der NS-Zeit auf ihr Leben vielen kaum bekannt. Wir halten es für wichtig, ihren Familiengeschichten und persönlichen Erleben Raum zu geben und ihnen Gehör zu verschaffen.
Keine Zeit, die Interviews in voller Länge zu schauen? Die persönlichen Berichte der Nachkommen finden Sie auch auf unserer Webseite.
Sie suchen Erzähler:innen für Ihr Bildungsprojekt? Über den Bundesverband können Lehrkräfte, Schulen und andere Multiplikator:innen Nachkommen von NS-Verfolgten als Erzähler:innen für Workshops, Gespräche und Erzählcafés anfragen. Bei Interesse wenden Sie sich gerne per Mail an info@nsberatung.de.
Mindestens 160 Überlebende der nationalsozialistischen Verfolgung sind aktuell vom Wegfall zentraler sozialer Angebote betroffen. Nach dem überraschenden Ende der Förderung durch die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) stehen die Erzähl- und Begegnungscafés in Düsseldorf und Recklinghausen sowie das Projekt „Warmes Zuhause“ vor einer ungewissen Zukunft.
Die Angebote richten sich an hochbetagte Überlebende, von denen viele bis heute unter den Folgen von Verfolgung, Flucht und Traumatisierung leiden. Die regelmäßigen Treffen bieten geschützte Räume für Austausch, soziale Teilhabe und gegenseitige Unterstützung und wirken Isolation im Alter entgegen.
In den Begegnungscafés treffen sich Überlebende regelmäßig, begleitet von Mitarbeiter:innen und Ehrenamtlichen. Mehrmals jährlich finden öffentliche Erzählcafés statt, bei denen Zeitzeug:innen vor Schulklassen und interessierten Besucher:innen von ihren Lebensgeschichten berichten. Die persönlichen Begegnungen leisten einen wichtigen Beitrag zur historisch-politischen Bildung sowie zur Prävention von Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus.
Das Projekt „Warmes Zuhause“ richtet sich insbesondere an NS-Verfolgte mit Migrationsgeschichte, vor allem jüdische Zugewanderte aus der ehemaligen Sowjetunion. Seit 2009 entstehen in privaten Wohnungen soziale Netzwerke, die Integration fördern, Einsamkeit reduzieren und gegenseitige Unterstützung ermöglichen. Das Projekt wird inzwischen in mehreren Städten Nordrhein-Westfalens umgesetzt.
„Für die Teilnehmer:innen sind diese Angebote kein “nice to have”, sondern ein wichtiger sozialer Anker im Alltag“, erklärt Dr. Jost Rebentisch, Geschäftsführer beim Bundesverband. „Ohne neue Finanzierung droht ihr Wegfall. Das hat ausgerechnet für die Menschen, die bereits Ausgrenzung und Verfolgung erlebt haben, unmittelbare Konsequenzen.“
Die aktuelle Situation trifft den Bundesverband in einer ohnehin angespannten Phase: Erst Ende 2025 fiel auch die Förderung des erfolgreichen Social-Media-Bildungsprojekts #ZumFeindGemacht weg. Mehrere Projekte stehen gleichzeitig unter Finanzierungsdruck.
Um die Angebote fortführen zu können, wurde ein öffentlicher Spendenaufruf gestartet. Spenden sollen helfen, die Begegnungsangebote zu sichern, soziale Isolation zu verhindern und die Erinnerungsarbeit mit Überlebenden fortzuführen.
Weitere Informationen und Spendenmöglichkeiten finden Sie auf der Betterplace-Spendenseite.
Das Verwaltungsgericht Köln hat in seinem Beschluss vom 26.02.2026 dem Bundesamt für Verfassungsschutz in einem Eilverfahren untersagt, die AfD bundesweit als „gesichert rechtsextrem“ einzustufen. Dies gilt bis zu einer Entscheidung im noch anhängigen Hauptsacheverfahren. Seit diesem Beschluss ist es um die Frage der Prüfung eines Verbotsverfahrens für diese Partei deutlich ruhiger geworden. Das halten wir für falsch.
In der Überwindung der NS-Diktatur wurde 1949 ein Grundgesetz beschlossen, das Instrumente enthält, mit denen wir unsere freiheitliche Demokratie vor denen schützen können, die sie beseitigen wollen. Dazu gehören Vereins- und Parteiverbote, über die in rechtsstaatlichen Verfahren entschieden wird. Die Prüfung eines Parteiverbotes kann alleine das Bundesverfassungsgericht vornehmen.
Seit Jahrzehnten vertreten wir engagiert und parteipolitisch neutral die Interessen von Verfolgten der NS-Herrschaft sowie ihrer Nachkommen. Viele von ihnen äußern angesichts des erneuten Erstarkens einer rechtsextremen Partei große Besorgnis. Für uns ist dies ein deutliches Signal, dass auch wir uns entschlossen für die Prüfung eines möglichen Parteiverbots einsetzen sollten. Tatenlosigkeit im Angesicht einer Bedrohung unserer freiheitlichen Demokratie halten wir für fatal.
Und auch Sie können aktiv werden:
Mit Ihrer Stimme können Sie ein klares Zeichen für unsere Demokratie und gegen ihre Gefährdung durch rechtsextreme Parteien setzen. Es gibt einige Petitionen, wie z. B. die eines Bündnisses aus mehr als 100 Gruppen in NRW, das die Landesregierung auffordert, über den Bundesrat ein AfD-Verbotsverfahren zu beantragen. Nach Angaben der Initiator:innen des „NRW-Appells“ kamen dabei landesweit bereits über 80.000 Unterschriften zusammen. Auch die Initiative PRÜF („Prüfung Rettet Übrigens Freiheit!“) sammelt Unterschriften und ruft zu Aktivitäten für die einfache Forderung: „Alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, sollen durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden“ auf.
Diese Prüfung kann nur durch den Bundestag, den Bundesrat oder die Bundesregierung beantragt werden.
Wir fordern alle drei auf, ihrer Verantwortung für unser demokratisches Gemeinwesen gerecht zu werden und jetzt zu klären, ob die Voraussetzungen für solche Verfahren vorliegen, und diese ggf. einzuleiten.
Mehr als 1.000 Organisationen und Persönlichkeiten – von Bildungsstätten über Kirchengemeinden bis hin zu Landessportbünden – haben sich in einem offenen Brief an Bundesfamilienministerin Karin Prien gewandt. Anlass sind die angekündigten Kürzungen und Umstrukturierungen im Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Wir möchten diesen offenen Brief zum Anlass nehmen, die aktuelle Entwicklung einzuordnen – und auf eine politische Linie aufmerksam zu machen, die aus unserer Sicht weit über einzelne Förderentscheidungen hinausgeht.
Bereits im vergangenen Jahr hat die CDU/CSU mit ihrer Bundestagsanfrage zur „politischen Neutralität staatlich geförderter Organisationen“ ein deutliches Signal gesetzt: 551 Fragen zu 14 NGOs stellten die Gemeinnützigkeit und Legitimität zivilgesellschaftlicher Akteur:innen grundsätzlich infrage. Viele Organisationen erlebten dies als Misstrauensvotum und als Versuch, kritische Stimmen zu delegitimieren.
2026 folgte der nächste Schritt: Drei linke Buchhandlungen wurden vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen. Die Begründung „verfassungsschutzrelevante Bedenken“ blieb vage und ohne transparente Grundlage. Auch hier entsteht der Eindruck, dass politische Einordnung zunehmend darüber entscheidet, wer gefördert wird – und wer nicht.
Auch im Fall des Demokratieprojekts „Mut-Muskel-Training“ der Organisation „Radikale Töchter“ zeigt sich ein ähnliches Muster: Trotz bereits abgeschlossener fachlicher Prüfung und in Aussicht gestellter Förderung durch die Bundeszentrale für politische Bildung wurde das Projekt per ministeriellem Eingriff gestoppt – ohne nachvollziehbare Begründung. Interne Stimmen warnten sogar vor rechtlichen Konsequenzen und einem Schaden für die Glaubwürdigkeit staatlicher Institutionen. Beobachter:innen sehen einen möglichen Zusammenhang mit vorheriger scharfer Kritik der Projektinitiatorin an Bundeskanzler Merz.
Nun betrifft es das Programm „Demokratie leben!“.
Rund 200 Projekte sollen nicht weitergeführt werden, darunter Initiativen gegen Antisemitismus, gegen digitale Gewalt, gegen Rassismus und für die Stärkung marginalisierter Gruppen. Projekte, die über Jahre aufgebaut wurden – und deren Wirkung teilweise noch evaluiert wird. Die Begründung der Ministerin: mehr Effizienz, mehr Wirkung, mehr Orientierung an der „Mitte der Gesellschaft“.
Unterstützt wird diese Argumentation unter anderem von Kommentatoren wie Nikolaus Blome, der die Kritik aus der Zivilgesellschaft als überzogen darstellt. Seine These: Es sei legitim und notwendig, staatlich geförderte Projekte auf Nutzen und Effizienz zu prüfen – und Widerstand dagegen zeuge eher von Selbstgerechtigkeit als von Sachargumenten.
Diese Perspektive greift aus unserer Sicht zu kurz.
Denn sie blendet zentrale Widersprüche aus: Während die Überprüfung demokratischer Projekte als Ausdruck verantwortungsvoller Haushaltspolitik dargestellt wird, werden gleichzeitig Entscheidungen getroffen, die fachlichen Standards widersprechen:
Ein Blick auf die konkret betroffenen Initiativen zeigt zudem:
Es geht keineswegs nur um abstrakte „Effizienzfragen“, sondern um ganz konkrete Arbeit vor Ort – etwa Beratung für Betroffene digitaler Gewalt, Bildungsarbeit nach rechtsterroristischen Anschlägen oder Projekte gegen Antisemitismus im Sport. Gleichzeitig wird in der öffentlichen Debatte ein Bild gezeichnet, das diese Arbeit diskreditiert: Zivilgesellschaftliche Projekte werden als Teil eines „linken Milieus“ dargestellt, das sich staatlicher Kontrolle entziehen wolle. Dass viele Programme nachweislich positive Wirkungen erzielen und regelmäßig überprüft werden, gerät dabei in den Hintergrund.
Besonders problematisch ist die daraus entstehende Unsicherheit:
Diese Fragen betreffen nicht nur einzelne Projekte.
Sie betreffen die Grundlage zivilgesellschaftlichen Engagements insgesamt. Denn eine lebendige Demokratie ist darauf angewiesen, dass unabhängige Akteur:innen Kritik üben, Perspektiven einbringen und auch unbequeme Positionen vertreten können, ohne befürchten zu müssen, dafür sanktioniert zu werden.
Hinzu kommt die zentrale Frage nach der viel zitierten „Mitte der Gesellschaft“:
Ministerin Prien begründete das Vorgehen damit, man müsse „mehr auf die Mitte der Gesellschaft zielen.“ Wer ist damit gemeint? Und wer wird im Umkehrschluss ausgeschlossen? Die aktuelle Praxis legt nahe, dass insbesondere Projekte unter Druck geraten, die sich mit Rassismus, Antisemitismus oder rechter Gewalt auseinandersetzen. Die zeitliche und inhaltliche Abfolge – von der parlamentarischen Anfrage über den Ausschluss von Buchhandlungen bis hin zu den aktuellen Kürzungen – lässt sich daher kaum als bloße Aneinanderreihung einzelner Entscheidungen verstehen. Vielmehr entsteht der Eindruck einer politischen Strategie, mit der die kritische Zivilgesellschaft zunehmend unter Rechtfertigungsdruck gesetzt wird.
Wir teilen die Sorge der Unterzeichner:innen des offenen Briefes:
Wenn Förderentscheidungen als politisches Steuerungsinstrument wahrgenommen werden, leidet das Vertrauen in staatliche Programme, aber auch in die Rahmenbedingungen demokratischen Engagements insgesamt.
Praktiken, bei denen finanzielle Förderung an politische Konformität geknüpft erscheint, kennen wir vor allem aus autoritären Kontexten. In einer pluralistischen Demokratie dürfen sie keinen Platz haben - denn Demokratie lebt von Vielfalt, von Widerspruch und von einer starken, unabhängigen Zivilgesellschaft.
Am 26.03.2026 durften wir in Düsseldorf eine besondere Auszeichnung entgegennehmen: Unser Projekt „Ehrenamtlicher Besuchs- und Begleitdienst“ wurde mit einem Sonderpreis im Rahmen des Ehrenamtspreises „Ehrenamt schafft Begegnung“ des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW geehrt.
Aus insgesamt 183 nominierten Projekten wurden zehn Preisträger:innen ausgewählt – zusätzlich wurden zwei Sonderpreise vergeben. Wir freuen uns sehr, dass unser Engagement in dieser Form gewürdigt wurde.
Die Preisverleihung fand in Düsseldorf statt und wurde durch Minister Karl-Josef Laumann eröffnet.
Der Sonderpreis ist für uns eine große Anerkennung und vor allem eine Würdigung des Einsatzes unserer engagierten und langjährigen Ehrenamtlichen.
Im Rahmen der ordentlichen Mitgliederversammlung am 13. März 2026 wurde der Vorstand des Bundesverbands neu gewählt. Dabei bestätigt sich die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre in einer weitgehenden personellen Kontinuität: Vorstandsvorsitzender Volker Kirchesch, stellv. Vorstandsvorsitzende Hanna Brabanski und die Beisitzer Frank-Ludwig Thiel, Emanuel Reithofer, Michael Teupen und Alexander Bakalejnik wurden wiedergewählt.
Eine Veränderung gibt es im Amt der Schatzmeisterin: Diese Position wurde mit Britta Engel neu besetzt. Britta Engel übernimmt künftig die Verantwortung für die finanziellen Belange des Bundesverbands. Wir bedanken uns herzlich bei der bisherigen Amtsinhaberin Inge Spiecker für ihr langjähriges Engagement und ihre wertvolle Arbeit und heißen Britta Engel als neue Schatzmeisterin willkommen.
Mit der Neuwahl sieht sich der Bundesverband gut aufgestellt, um die bisherigen Projekte fortzuführen und neue Impulse zu setzen. Ziel bleibt es, die Arbeit des Bundesverbands im Sinne seiner satzungsgemäßen Aufgaben zur Unterstützung von NS-Verfolgten und ihren Nachkommen sowie zur historisch-politischen Bildungsarbeit erfolgreich weiterzuentwickeln.
Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Richard Reinisch, einem Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung, der bis ins hohe Alter unermüdlich seine Geschichte teilte und sich für Erinnerung, Aufklärung und Menschlichkeit engagierte.
Richard Reinisch wurde 1929 geboren. Seine Kindheit war geprägt von Flucht, Gewalt und existenzieller Bedrohung. Der Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen und später auf die Sowjetunion zwang ihn zu einer nicht enden wollenden Flucht durch Polen, die Sowjetunion und schließlich bis nach Budapest. Während der nationalsozialistischen Verfolgung wurde sein Vater von der Gestapo ermordet. Seine Mutter sah er erst nach dem Krieg in Israel wieder.
Dass Richard Reinisch überlebte, verdankte er einer Kette von Zufällen, der Hilfe anderer Menschen und einem kaum vorstellbaren Glück. Trotz der erlittenen Verluste und Traumata kehrte er später nach Deutschland zurück – in ein Land, das ihn einst verfolgt hatte – und entschied sich bewusst dafür, seine Lebensgeschichte zu erzählen.
Bis in die letzten Jahre seines Lebens blieb er als Zeitzeuge aktiv. Besonders verbunden war er unserem Animationsprojekt, in dem er Schüler:innen von seiner Verfolgungsgeschichte berichtete. Aus diesen Begegnungen entstand ein preisgekrönter Animationsfilm. Der Film ist ein Zeugnis dafür, wie Richard Reinischs persönliche Erinnerung junge Menschen erreichen konnte und er Geschichte lebendig machte.
Richard Reinisch begegnete den Jugendlichen mit Offenheit. Seine Erzählung seiner Familien- und Verfolgungsgeschichte war mehr als ein Bericht über die Vergangenheit: Es war eine Mahnung gegen Hass, Antisemitismus und Ausgrenzung sowie ein Appell an Verantwortung und Mitgefühl.
Mit seinem Tod verlieren wir einen wichtigen Zeitzeugen und Menschen, der trotz allem Vertrauen in die Kraft von Bildung, Begegnung und Erinnerung bewahrte. Sein Vermächtnis lebt in den Geschichten, die er hinterlassen hat, und in den jungen Menschen, die er berührt hat, weiter.
Wir werden Richard Reinisch ein ehrendes Andenken bewahren.
Mit großer Trauer haben wir vom Tod des Arztes und Menschen Dr. Semen Glusman erfahren, der am 16. Februar 2026 verstorben ist. Die Nachricht hinterlässt schmerzliche Wehmut – zugleich aber auch ein Gefühl der Dankbarkeit darüber, sein Zeitgenosse gewesen zu sein und ihn persönlich wie kollegial gekannt zu haben.
Ich hatte die Ehre, ihm auf Kongressen und Tagungen zu begegnen, mich mit ihm auszutauschen und seinen Worten zuzuhören – Worten voller fachlicher Klarheit, menschlicher Wahrhaftigkeit und moralischer Überzeugung.
Dr. Semen Glusman leitete u. a. die Ukrainische Psychiatrische Vereinigung sowie das Internationale Medizinische Rehabilitationszentrum für Opfer von Kriegen und totalitären Regimen in der Ukraine und arbeitete mit dem Bundesverband zusammen. Sein Wirken war stets von tiefem Humanismus geprägt. Unermüdlich setzte er sich für Menschenwürde, für Gerechtigkeit und für die Unterstützung von Verfolgten und Traumatisierten ein.
Er lebte nach seinem Gewissen und diente den Menschen sowie seiner Heimat Ukraine mit Würde und Ehre.
Wir werden ihm ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren.
Nachruf unseres Vorstandsmitglieds Dipl. Med. Alexander Bakalejnik.
Vor einigen Wochen haben wir darüber informiert, dass die bisherige Finanzierung des historisch-politischen Bildungsprojekts #ZumFeindGemacht zum Jahresende ausläuft und eine Spendenkampagne gestartet wurde.
Durch diese Unterstützung konnten bislang über 6.000 € eingeworben werden. Die Summe reicht nicht aus, um das Projekt im bisherigen Umfang fortzuführen, ermöglicht jedoch eine zeitlich begrenzte Übergangslösung: Ein Teil des Teams wird #ZumFeindGemacht vorübergehend ehrenamtlich weiterführen.
Eine Anschlussfinanzierung konnte bislang nicht gesichert werden. Die Suche nach langfristigen Fördermöglichkeiten wird fortgesetzt. Um diese Übergangsphase zu überbrücken und die Arbeit an #ZumFeindGemacht nicht vollständig einstellen zu müssen, ist das Projekt weiterhin auf Unterstützung angewiesen.
Warum Ihre Hilfe weiterhin entscheidend ist
#ZumFeindGemacht ist für viele junge Menschen, Lehrkräfte und Multiplikator:innen ein wichtiger Ort der digitalen Erinnerungskultur geworden. Damit die Stimmen der NS-Verfolgten und ihrer Nachkommen nicht verstummen, braucht es auch in dieser Übergangszeit Solidarität und finanzielle Unterstützung.
Wir bitten Sie daher:
Helfen Sie uns, diese Phase zu überbrücken, und helfen Sie #ZumFeindGemacht.
Jetzt für #ZumFeindGemacht spenden
Dank der Unterstützung der Hans und Berthold Finkelstein Stiftung können wir allen, die uns über Betterplace mit einer Spende unterstützen, etwas zurückgeben: Als kleines Dankeschön erhalten Sie einen Jutebeutel mit dem #ZumFeindGemacht-Logo – solange der Vorrat reicht. Schicken Sie einfach eine kurze E-Mail mit Ihrer Versandadresse an info@nsberatung.de, und Ihr Jutebeutel macht sich auf den Weg zu Ihnen.
Bleiben Sie dran, folgen Sie uns weiter – und danke, dass Sie #ZumFeindGemacht möglich machen.
Bedüftige Überlebende der NS-Verfolgung in Köln konnten in diesem Jahr wieder Weihnachtspakete erhalten. Die Pakete stammen aus der Kölner-Rundschau-Altenhilfe DIE GUTE TAT e.V.. Der Bundesverband hat die Pakete für Senior:innen, die nicht in stationären Einrichtungen leben, beantragt und im Rahmen des Begegnungscafés für Überlebende der NS-Verfolgung in Köln persönlich verteilt.
Die Freude bei der Übergabe war groß: Gespräche, Lachen und ein herzliches Miteinander prägten den Nachmittag. Die Pakete sollen nicht nur materielle Unterstützung bieten, sondern auch ein Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung für die Überlebenden sein.
„Diese Begegnungen sind für uns alle berührend und zeigen, wie wichtig Solidarität und Gemeinschaft gerade in der Weihnachtszeit sind“, sagt Vanessa Rex, Projektleiterin im Erzähl- und Begegnungscafé Köln.
Der Bundesverband dankt allen Partner:innen und Unterstützer:innen, die diese Aktion möglich gemacht haben.
Der Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. freut sich, die Verlängerung des innovativen Projekts „Erinnerungsräume der Flucht“ bis Ende Juli 2027 bekanntzugeben.
Das Projekt verbindet historische Bildungsarbeit mit modernster Virtual-Reality-Technologie: Junge Menschen lernen Überlebende der NS-Verfolgung kennen, führen Interviews und arbeiten prägende Szenen ihrer Lebensgeschichten heraus. Diese Szenen werden zunächst künstlerisch in Form von Dioramen umgesetzt und anschließend digitalisiert. Durch das Scannen und Übertragen in die virtuelle Realität entstehen immersive Erinnerungsräume, die durch kontextualisierende Erläuterungen eine intensive Auseinandersetzung mit den Verfolgungsgeschichten der Überlebenden ermöglichen.
Neben der historischen Auseinandersetzung erwerben die Teilnehmer:innen technische Kompetenzen und setzen sich mit gesellschaftlich relevanten Themen wie Ausgrenzung, Diskriminierung, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Flucht auseinander. Das Projekt schafft zudem einen sicheren Raum, um eigene Familien- und Fluchtgeschichten zu reflektieren und Parallelen zu ziehen.
Die Ergebnisse werden regelmäßig öffentlich präsentiert, zuletzt im Rahmen der Museumsnacht 2024 im NS-Dokumentationszentrum Köln.
Durch die Verbindung von digitalen und analogen Formaten wird jungen Menschen ein innovativer Zugang zur Geschichte der NS-Verfolgung ermöglicht und sie zur Reflexion über demokratische Werte angeregt.
Als nächstes wird das VR-Projekt an der Gesamtschule Lindenthal in Köln stattfinden. Interessierte Schulen, Jugendgruppen und Multiplikator:innen sind herzlich eingeladen, sich für eine Teilnahme am Projekt zu melden.
Kontakt:
Katharina Pysmenna (Tel. 0221 17 92 94 18 / pysmenna@nsberatung.de)
Katharina Gavrik (Tel. 0221 17 92 94 22 / gavrik@nsberatung.de)
Praktikant:in (m/w/d) im Bereich Pressearbeit (2-3 Monate)
Du interessierst dich für Pressearbeit und hast tiefgreifende Kenntnisse über die Zeit des Nationalsozialismus? Du studierst Public History oder Neuere Geschichte und benötigst ein Pflichtpraktikum oder möchtest ein freiwilliges Praktikum absolvieren? Dann bewirb dich beim Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. (BVNS) und erhalte einen umfassenden Einblick in die Arbeit der Presseabteilung.
Der BVNS mit Sitz in Köln berät seit fast 30 Jahren Überlebende der NS-Verfolgung in aller Welt in Entschädigungsfragen. Vom BVNS entwickelte Modellprojekte orientieren sich zum einen an den Erfordernissen der älter werdenden Überlebenden-Generation, zum anderen an der Entwicklung einer an den Erfahrungen der Überlebenden orientierten Gedenkkultur. Weitere satzungsgemäße Aufgaben des BVNS sind die Entwicklung von Zeitzeug:innen-Projekten zur politischen Bildung sowie die Sorge um die Belange der Folgegenerationen der Überlebenden.
Folgende Bereiche und Aufgaben lernst du bei uns kennen:
Das solltest du mitbringen:
Bewerbungen bitten wir ausschließlich per E-Mail in einer PDF-Datei an info@nsberatung.de zu senden.
Dr. Jost Rebentisch
BUNDESVERBAND INFORMATION & BERATUNG FÜR NS-VERFOLGTE e.V.
Genovevastraße 72
51063 Köln
Tel +49 (0)221 17 92 94 0, Fax +49 (0)221 17 92 94 29
info@nsberatung.de, www.nsberatung.de
Die Zivilgesellschaftlichen Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland sind ein wesentliches, konstitutives Element der pluralistischen und demokratischen Gesellschaft. Sie bilden ein Gegengewicht und Korrektiv gegenüber staatlichen Strukturen und bieten den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, sich aktiv in wichtige Prozesse innerhalb der Gesellschaft einzubringen.
Wer zivilgesellschaftliche Organisationen diffamiert, einschüchtert, materiell bedrängt oder versucht, mundtot zu machen, hat ihren wichtigen Beitrag für ein demokratisches Gemeinwesen nicht verstanden.
Dies gilt insbesondere im Bereich der „Erinnerungskultur“ in Deutschland, die seit dem Ende der Nazi-Diktatur ganz wesentlich von bürgerschaftlichem Engagement geprägt ist. „Erinnerungskultur“ im Rahmen des Gedenkens an die NS-Diktatur bedeutet nicht nur, Gedenkstätten einzurichten, zu unterhalten und regelmäßige Gedenktage abzuhalten – es ergibt sich aus der Erinnerung an die Schrecken des NS-Terrorregimes auch ein unmittelbarer Auftrag, der oft auf die kurze Formel des „Nie wieder!“ gebracht wird. Antifaschistische Arbeit, die sich aktiv gegen rechtsradikale, rechtsextreme und rechtspopulistische Strömungen richtet, ist ein Dienst am demokratischen Gemeinwesen, und, wenn sie sich im Rahmen der freiheitlich demokratischen Grundordnung und der geltenden Gesetze bewegt, unbedingt gemeinnützig.
Wir erwarten von der neuen Bundesregierung, dass sie zivilgesellschaftliche Strukturen respektiert, ausbaut und nachhaltig fördert.
Die Durchsetzung des „Demokratiefördergesetzes“ (Drucksache 20/5823), das schon von der „Ampelkoalition“ auf den Weg gebracht wurde, muss ebenso Bestandteil eines kommenden Koalitionsvertrages sein wie eine Reform des deutschen Gemeinnützigkeitsrechtes, von dem die EU vor acht Monaten erneut festgestellt hat, dass Deutschland „noch keine Fortschritte dabei erzielt hat, den Plan zur Anpassung der Steuerbefreiung von gemeinnützigen Organisationen weiterzuverfolgen, um die Herausforderungen anzugehen, die mit den derzeit geltenden Vorschriften für deren Betrieb in der Praxis verbunden sind, wobei europäische Standards für die Finanzierung zivilgesellschaftlicher Organisationen zu berücksichtigen sind“.
Wir sind in diesem Sinne an die Verhandlungsteams herangetreten und bitten sie, unsere Forderungen in den kommenden Koalitionsverhandlungen zu unterstützen.
Volker Kirchesch Dr. Jost Rebentisch
Vorsitzender Geschäftsführer