Einladung

 

Der BUNDESVERBAND INFORMATION & BERATUNG FÜR NS-VERFOLGTE e.V. in Kooperation mit dem LEW KOPELEW FORUM lädt herzlich ein zum Treffen für Nachkommen von NS-Verfolgten mit einem Workshop über biografisches Schreiben

 

Wann: Dezember 2020 / Do., 03.12.20 / 18.00 Uhr

Wo: Lew Kopelew Forum e.V. / Neumarkt 18, / Neumarkt Passage / 50667 Köln

 

DAS GESCHLOSSENE TREFFEN FÜR ANGEHÖRIGE DER FOLGEGENERATIONEN DER NS-VERFOLGTEN gibt den Teilnehmer*innen einen geschützten Raum, umsich gegenseitig kennenzulernen und sich in einer vertrauten Atmosphäre austauschenzu können. Wir laden Sie herzlich ein, an dem autobiographischen Schreibworkshopteilzunehmen. Der Abend wird von der Musikerin Ievgeniia Iermachkovaam Klavier begleitet.

 

WORKSHOP ÜBER BIOGRAFISCHES SCHREIBEN:

Was hat die Geschichte meiner Vorfahren mit mir gemacht? Welchen Einfluss hat sie auf meine Identität? Was weiß ich über die Geschichte meiner Familie und welche Fragen sind unbeantwortet geblieben? Wie erlebe ich die so genannte Erinnerungskultur in Deutschland? Welche Erfahrungen habe ich mit Toleranz und Ausgrenzung gemacht? Solchen Fragen widmet sich ein Workshop über biografisches Schreiben für die zweite, dritte und vierte Generation von Überlebenden. Der Journalist Uli Kreikebaum unterstützt die Teilnehmer*innen beim Entwickeln autobiografischer Texte, die dabei helfen sollen, die eigene Geschichte besser zu verstehen. Die aufgeschriebenen Lebensgeschichten können, wenn erwünscht, publiziert sowie im Rahmen unserer politischen Bildungsarbeit an die junge Generation weitergegeben werden.

 

Es sind vier Folgeveranstaltungen im Jahr 2021 geplant. Die Regionaltreffen in Köln sollen den Auftakt zu regelmäßigen Vernetzungstreffen von Angehörigen der Folgegenerationen in der Region bilden.

 

Programm:

18.00 - 18.15 Konzert Teil 1: Ievgeniia Iermachkova, Klavier

18.15 - 19.15 Schreibwerkstatt mit Uli Kreikebaum

19.15 - 19.30 Diskussionsrunde, Ausblick

19.30 - 20.00 Konzert Teil 2: Ievgeniia Iermachkova, Klavier

 

ULI KREIKEBAUM ist hauptberuflich Reporter beim „Kölner Stadt-Anzeiger“. Er schreibt seit vielen Jahren über Rassismus, Antisemitismus und jüdisches Leben in Köln. Schwerpunkt seiner Arbeit bilden Porträts und Reportagen.

 

IEVGENIIA IERMACHKOVA schloss im Jahr 2013 die Ukrainische Nationale Musikakademie ab und absolvierte im Anschluss den „Master of Music Professional Performance“ an der Folkwang Universität der Künste. Ievgeniia Iermachkova ist Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe. Seit 2018 ist sie Dozentin an der Internationalen Musikakademie Anton Rubinstein in Düsseldorf.

 

ANMELDUNG: Aufgrund der aktuellen Lage ist die Zahl der Teilnehmer*innen bei unseren Veranstaltungen begrenzt. Wir bitten um eine verbindliche Anmeldung bis zum 30.11.2020 telefonisch unter 0221 17 92 94-0 oder per Email unter info@nsberatung.de.

 

DIE TEILNAHME IST KOSTENLOS.

 

CORONA-HINWEIS: Diese Veranstaltung findet nach aktuellem Stand wie geplant statt. Wir weisen Sie darauf hin, dass dies sich angesichts der steigenden Corona-Zahlen ändern kann und dass die Präsenzveranstaltung, abhängig von dem weiteren Pandemiegeschehen, womöglich kurzfristig abgesagt oder verlegt werden kann. Wir hoffen auf Ihr Verständnis und werden uns selbstverständlich bemühen, Sie über eventuelle Änderungen schnellstmöglich zu benachrichtigen.

Website unserer Bildungsprojekte

"Biografiewerkstatt", "Fremd sein - Was ist das?", "Zeitzeugentheater": Unsere Bildungsprojekte haben nun eine eigene Website! Schaut euch um und informiert euch, wie wir gemeinsam mit Zeitzeug*innen, Schüler*innen und jungen Erwachsenen sowie allen Interessierten zu einer guten Erinnerungskultur beitragen. Gemeinsam gegen Rassismus, Antisemitismus und jegliche Form von Diskriminierung. Gemeinsam gegen das Vergessen. Klickt vorbei: https://bildungsprojekte.nsberatung.de/

 

Premierenabend in Köln

„Wir haben etwas erfahren, was kein Geschichtsbuch uns erzählen kann“, erklärt die Schülerin Lisa auf der Bühne. Sie war eine von 14 Jugendlichen, die an dem Projekt „Fremd sein – Was ist das?“ teilgenommen haben. Ein Jahr lang haben sich die Jugendlichen mit den Themen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenhass auseinandergesetzt. Sie trafen Donya Pentetska und Peter Finkelgruen, zwei Überlebende der Shoah, die den Jugendlichen ihre Geschichten erzählten. Die Jugendlichen hörten zu, stellten Fragen, schrieben auf und versuchten zu verstehen, was der Nationalsozialismus für den einzelnen Menschen bedeutete. Aus dem gesammelten Material ist ein Film entstanden, der gestern im Forum der Volkshochschule im Museum am Neumarkt in Köln Premiere feierte.

54 Plätze waren aufgrund der Corona-Pandemie vor Ort zu vergeben. 54 Plätze waren besetzt. Der Saal wurde dunkel, der Film wurde gezeigt, Stille im Publikum. Wir erfahren, wie der Film entstanden ist. Sehen nachgestellte Episoden aus Donyas und Peters Leben. Und wir lernen, dass Diskriminierung, Fremdenhass und Antisemitismus keine Phänomene der Vergangenheit sind. Sie sind aktuell –– und das schon seit Jahrzehnten. Die Jugendlichen erzählen von ihren Ausgrenzungserfahrungen. Wir lernen Dominik kennen. Er erzählt, dass er aufgrund seiner Homosexualität diskriminiert wurde. Wir lernen Hornela kennen und erfahren, dass sie in der dritten Klasse von Mitschüler*innen beleidigt wurde, einfach nur weil ihr Haar anders war als das der anderen.

Als der Film vorbei ist, dauert es ein wenig bis wir, das Publikum, uns wieder gesammelt haben und auftauchen können. Die Podiumsdiskussion beginnt. Und es herrscht Ratlosigkeit: Warum werden Menschen immer noch ausgegrenzt? Warum bleiben Antisemitismus und Rassismus in der Gesellschaft bestehen? Wie kann es sein, dass Hass überdauert? Ein Schüler der Käthe-Kollwitz-Schule meldet sich zu Wort und bringt es auf den Punkt: Es geht vor allem um Mut. Mut, sich mit diesen Themen auseinandersetzen zu wollen. Lernen zu wollen. Die Filmemacherin Sharon Ryba-Kahn greift diesen Punkt noch einmal auf, es fehle an Emotionalität und ja, es geht um Mut. Aber wie bringt man jemandem Mut bei?

Deutlich wird an diesem Abend, dass es mehr braucht als einen Pflichtbesuch in einer Gedenkstätte. Es braucht mehr als eine Teilnahme an einem Projekt, es braucht mehr als die einmalige Verlegung eines Stolpersteins. Antisemitismus, Rassismus und Fremdenhass sind keine einmaligen Krankheiten, gegen die man nach einem Gedenkstättenbesuch immun wird. Nein, es bedarf der andauernden Auseinandersetzung mit diesen Themen und der eigenen Reflexion. Wenn wir uns alle ein Leben lang reflektieren und uns mit diesen unbequemen Themen auseinandersetzen, könnten wir es vielleicht schaffen, Antisemitismus, Rassismus und Fremdenhass innerhalb der Gesellschaft stark zu minimieren. Aber dafür bedarf es der Mitarbeit eines jeden Einzelnen von uns.

Wer nicht persönlich zur Aufführung erscheinen konnte, kann sich den gesamten Abend mit anschließender Podiumsdiskussion hier noch einmal online anschauen.

Wer lediglich den Film sehen möchte, kann das hier tun.

 

 

Filme unserer "Biografiewerkstatt"

In unserem Projekt "Biografiewerkstatt" erzählten die hoch betagten Überlebenden der Shoah ihre Geschichten Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Bergheim. Die Szenen aus den gehörten Lebensgeschichten wurden zur Grundlage eines Theaterstückes. Wegen der Corona-Pandemie konnte die geplante Theateraufführung leider nicht stattfinden. Stattdessen haben wir drei Kurzfilme gedreht. Die ersten Filme sind bereits auf unserem YouTube-Kanal zu sehen.

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