Nachruf von Alexander Bakalejnik auf Semen Glusman (1946–2026)

Mit großer Trauer haben wir vom Tod des Arztes und Menschen Dr. Semen Glusman erfahren, der am 16. Februar 2026 verstorben ist. Die Nachricht hinterlässt schmerzliche Wehmut – zugleich aber auch ein Gefühl der Dankbarkeit darüber, sein Zeitgenosse gewesen zu sein und ihn persönlich wie kollegial gekannt zu haben.

Ich hatte die Ehre, ihm auf Kongressen und Tagungen zu begegnen, mich mit ihm auszutauschen und seinen Worten zuzuhören – Worten voller fachlicher Klarheit, menschlicher Wahrhaftigkeit und moralischer Überzeugung.

Dr. Semen Glusman leitete u. a. die Ukrainische Psychiatrische Vereinigung sowie das Internationale Medizinische Rehabilitationszentrum für Opfer von Kriegen und totalitären Regimen in der Ukraine und arbeitete mit dem Bundesverband zusammen. Sein Wirken war stets von tiefem Humanismus geprägt. Unermüdlich setzte er sich für Menschenwürde, für Gerechtigkeit und für die Unterstützung von Verfolgten und Traumatisierten ein.

Er lebte nach seinem Gewissen und diente den Menschen sowie seiner Heimat Ukraine mit Würde und Ehre.

Wir werden ihm ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren.

 

Nachruf unseres Vorstandsmitglieds Dipl. Med. Alexander Bakalejnik.

 

Köln - Erzählcafé mit der Journalistin und Podcasterin Nora Hespers, Enkelin des Widerstandskämpfers Theo Hespers

Am 2. März 2026 um 15 Uhr wird Nora Hespers im Erzählcafé des Bundesverbandes Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. berichten. Sie ist die Enkelin des Widerstandskämpfers Theo Hespers.

Nora Hespers, geboren 1978 in Mönchengladbach, ist die Enkelin des Widerstandskämpfers Theo Hespers, der sich bereits früh gegen den Nationalsozialismus engagierte. 1933 floh er mit seiner Familie in die Niederlande und später weiter nach Belgien, wo er seinen Widerstand im Exil fortsetzte. 1942 wurde die Familie von der Gestapo verhaftet und nach Deutschland verschleppt. Ein Jahr später wurde Theo Hespers von den Nationalsozialisten hingerichtet.

Seine Frau kam ins Gefängnis, der gemeinsame Sohn Dietrich - Noras Vater - wurde zur Großmutter nach Mönchengladbach gebracht. Die Erfahrungen von Flucht, Verfolgung und der brutalen Ermordung des Vaters erschütterten das Leben von Dietrich „Dirk“ Hespers nachhaltig. Die Traumata dieser Zeit prägten nicht nur seine Biografie, sondern auch das Aufwachsen seiner Tochter Nora. In ihrem Buch „Mein Opa, sein Widerstand gegen die Nazis und ich“ erzählt Nora Hespers vom Leben ihres Großvaters im Widerstand, von den Folgen für ihren Vater und davon, wie die Geschichte der Verfolgung ihr eigenes Leben und ihr politisches Bewusstsein geprägt hat.

Das Kölner Erzählcafé findet mehrmals im Jahr statt und steht Schulklassen, Jugendgruppen und anderen Interessierten offen. Bei Interesse an einer Teilnahme bittet der Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. um eine kurze Voranmeldung unter 0221-179294-0 bzw. rex@nsberatung.de.

 

Kontakt: Vanessa Rex, rex@nsberatung.de, Tel.: 0221-179294-0

Veranstaltungsort: Altenberger Hof, Mauenheimer Straße 92, 50733 Köln

 

 

Die Erzähl- und Begegnungscafés werden gefördert von:

27. Januar 2026 - 81 Jahre Befreiung von Auschwitz

heute vor 81 Jahren befreiten Soldaten der Roten Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Seit 1996 ist der 27. Januar international ein Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Die SS hatte den Großteil der Inhaftierten kurz vor der Befreiung des Lagers auf Todesmärsche in Richtung Westen geschickt. Die sowjetische Armee fand nur noch 7.600 schwerkranke und entkräftete Überlebende sowie 650 Tote vor. Die Befreiung bedeutete für die meisten der Zurückgelassenen keinen Moment des Jubels, sondern das Ende eines kaum vorstellbaren Leidens. Tausende waren zu krank, geschwächt und erschöpft, um ihre Freiheit begreifen zu können.

Einer der Befreier war der damals 21-jährige Ivan Stepanovich Martynushkin. Erst nach Kriegsende verstand er das Ausmaß der Verbrechen, deren Spuren die Rote Armee in Auschwitz vorfand.

Sie waren durch die Hölle gegangen. Unter ständiger Todesgefahr. Natürlich waren sie völlig erschöpft (...) Aber in ihren Augen, nur in ihren Augen, war eine Freude. Die Freude frei zu sein. Die Freude, dass ihre Hölle endlich zu Ende war“, erinnert er sich.

Er erzählt, dass er zunächst glaubte, er würde lediglich ein Gefangenenlager befreien. Erst nach Kriegsende verstand er, was er in Auschwitz gesehen hatte:

„Als wir ankamen und die Öfen sahen, dachten wir, es wäre ein Krematorium. Dass Leute gestorben waren und statt beerdigt zu werden, wurden sie eingeäschert. Niemand konnte sich vorstellen, dass diese Öfen gebaut worden waren, um Menschen zu töten, dass sie Teil eines systematischen Vernichtungsplans waren.“

Entgegen späterer Bilder gab es am 27. Januar keinen Moment kollektiver Freude. Die meisten Überlebenden waren zu schwach, um zu gehen, schwer an Typhus erkrankt und dem Hungertod nahe. Die sowjetischen Soldaten versorgten die Überlebenden notdürftig mit Lebensmitteln aus umliegenden Dörfern. Eine sowjetische Filmcrew dokumentierte Auschwitz einige Tage nach der Befreiung. Unter chaotischen Bedingungen und teils ohne Licht entstanden Aufnahmen, die später weltweit bekannt wurden.

> Zum Video

Ein Teil dieser Aufnahmen wurde dabei nachgestellt, darunter das Öffnen der Lagertore und jubelnde Häftlinge. Trotz der Inszenierungen enthält der Film authentisches Material, darunter Aufnahmen der gefundenen Leichen, Berge von Kleidung, Brillen, Koffern und anderem geraubten Besitz der Ermordeten. Die Aufnahmen der Baracken, Krematorien und Fabriken zeigen außerdem die Infrastruktur und Dimensionen des Lagers. Die Filme dienten später als Beweismittel für Gerichtsverfahren gegen die Täter:innen. Bis heute sind die Aufnahmen Bestandteil der Dauerausstellung der Gedenkstätte Auschwitz und sind zum Symbol des Gedenkens an die Vernichtung der Jüdinnen:Juden in Europa geworden.

Eine der Überlebenden war Marie-Claude Vaillant-Couturier. Ihre Geschichte können Sie auf der Webseite von #ZumFeindGemacht nachlesen.

Auschwitz steht symbolisch für den Massenmord an europäischen Jüdinnen:Juden und für das Leid von Millionen anderen Menschen, die vom NS-Regime verfolgt und ermordet wurden. Am heutigen Gedenktag erinnern wir an die Ermordeten und an die Überlebenden.

 

Zukunft von #ZumFeindGemacht: Übergangslösung dank Spenden – langfristige Finanzierung weiterhin offen

Vor einigen Wochen haben wir darüber informiert, dass die bisherige Finanzierung des historisch-politischen Bildungsprojekts #ZumFeindGemacht zum Jahresende ausläuft und eine Spendenkampagne gestartet wurde.

Durch diese Unterstützung konnten bislang über 6.000 € eingeworben werden. Die Summe reicht nicht aus, um das Projekt im bisherigen Umfang fortzuführen, ermöglicht jedoch eine zeitlich begrenzte Übergangslösung: Ein Teil des Teams wird #ZumFeindGemacht vorübergehend ehrenamtlich weiterführen.

Eine Anschlussfinanzierung konnte bislang nicht gesichert werden. Die Suche nach langfristigen Fördermöglichkeiten wird fortgesetzt. Um diese Übergangsphase zu überbrücken und die Arbeit an #ZumFeindGemacht nicht vollständig einstellen zu müssen, ist das Projekt weiterhin auf Unterstützung angewiesen.

 

Warum Ihre Hilfe weiterhin entscheidend ist

#ZumFeindGemacht ist für viele junge Menschen, Lehrkräfte und Multiplikator:innen ein wichtiger Ort der digitalen Erinnerungskultur geworden. Damit die Stimmen der NS-Verfolgten und ihrer Nachkommen nicht verstummen, braucht es auch in dieser Übergangszeit Solidarität und finanzielle Unterstützung.

 

Wir bitten Sie daher:

Helfen Sie uns, diese Phase zu überbrücken, und helfen Sie #ZumFeindGemacht.
Jetzt für #ZumFeindGemacht spenden

Dank der Unterstützung der Hans und Berthold Finkelstein Stiftung können wir allen, die uns über Betterplace mit einer Spende unterstützen, etwas zurückgeben: Als kleines Dankeschön erhalten Sie einen Jutebeutel mit dem #ZumFeindGemacht-Logo – solange der Vorrat reicht. Schicken Sie einfach eine kurze E-Mail mit Ihrer Versandadresse an info@nsberatung.de, und Ihr Jutebeutel macht sich auf den Weg zu Ihnen.

Bleiben Sie dran, folgen Sie uns weiter – und danke, dass Sie #ZumFeindGemacht möglich machen.

 

Weihnachtspakete für Überlebende der NS-Verfolgung im Kölner Begegnungscafé

Bedüftige Überlebende der NS-Verfolgung in Köln konnten in diesem Jahr wieder Weihnachtspakete erhalten. Die Pakete stammen aus der Kölner-Rundschau-Altenhilfe DIE GUTE TAT e.V.. Der Bundesverband hat die Pakete für Senior:innen, die nicht in stationären Einrichtungen leben, beantragt und im Rahmen des Begegnungscafés für Überlebende der NS-Verfolgung in Köln persönlich verteilt.

Die Freude bei der Übergabe war groß: Gespräche, Lachen und ein herzliches Miteinander prägten den Nachmittag. Die Pakete sollen nicht nur materielle Unterstützung bieten, sondern auch ein Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung für die Überlebenden sein.

Diese Begegnungen sind für uns alle berührend und zeigen, wie wichtig Solidarität und Gemeinschaft gerade in der Weihnachtszeit sind“, sagt Vanessa Rex, Projektleiterin im Erzähl- und Begegnungscafé Köln.

Der Bundesverband dankt allen Partner:innen und Unterstützer:innen, die diese Aktion möglich gemacht haben.

Nachruf auf Tamara Schischigina (1937-2025)

Wir erinnern uns an Tamara Schischigina (geb. Kisnitschan), die viele Jahre Teilnehmerin unseres Kölner Begegnungscafés war.

Tamara Schischigina wurde am 31. Mai 1937 in Kischinjow, der heutigen Hauptstadt der Republik Moldau, in einer jüdischen Familie geboren. Ihre Kindheit war vom Zweiten Weltkrieg und vom Holocaust geprägt. Nach der Einberufung ihres Vaters lebte sie mit ihrer Mutter und später auch mit ihrer Schwester bei der Großmutter im Dorf Majak in der Oblast Odessa. Im Jahr 1942 wurden Tamara, ihre Mutter und die kleine Schwester verhaftet, zunächst nach Dubassary gebracht und anschließend in das Ghetto im Dorf Tschernoe deportiert. Dort überlebte die Familie Hunger, Enge und Zwangsarbeit nur dank der Hilfe der Großmutter sowie der Befreiung durch die sowjetische Armee.

Nach dem Krieg widmete sich Tamara Schischigina mit großer Konsequenz ihrer Ausbildung und dem Sport. Sie war Meisterin der künstlerischen Gymnastik, Mitglied der moldauischen Volleyballmannschaft und studierte Sportwissenschaften an der Universität Kischinjow. Viele Jahre arbeitete sie als Dozentin am Pädagogischen sowie am Polytechnischen Institut, bevor sie 1996 in den Ruhestand trat.

Im Jahr 2001 emigrierte Tamara Schischigina nach Deutschland.

Trotz erheblicher gesundheitlicher Einschränkungen – nicht zuletzt infolge ihrer früheren Laufbahn als Turnerin – versuchte Tamara bis zuletzt, ihren Alltag möglichst selbstständig zu bewältigen. Sie war eine außergewöhnlich fleißige Persönlichkeit, die ihre Erfolge in Ausbildung und Beruf aus eigener Kraft erreichte. Tamara war ein gepflegter, herzlicher Mensch und blieb es bis zum Schluss. Sie wird uns sehr fehlen, und wir werden sie in dankbarer Erinnerung behalten.

Erster Monat Crowdfunding: 5.055 € für #ZumFeindGemacht: Wir sagen Danke!

Vor rund einem Monat haben wir Ihnen die schwierige Situation unseres Projekts #ZumFeindGemacht geschildert und unsere Crowdfunding-Kampagne auf Betterplace gestartet. Seitdem haben uns zahlreiche Nachrichten der Solidarität sowie erste wichtige Spenden erreicht.

Bis zum 6. Dezember 2025 sind insgesamt 5.055 € eingegangen. 

Dafür möchten wir Ihnen herzlich danken. Jede einzelne Spende zeigt uns: Die Inhalte, die Geschichten und die Stimmen der NS-Verfolgten und ihrer Nachkommen sollen nicht verstummen.

Was wir mit 5.055 € bewegen können – und was noch nicht

Die Summe ermöglicht uns, einige dringend notwendige Schritte weiterzuführen:

  • erste Recherchen für neue biografische Beiträge anzustoßen,
  • kleinere Lizenzpakete für Bild- und Tonmaterial zu erwerben,
  • die laufende Social-Media-Arbeit und Moderation der Community für einen begrenzten Zeitraum abzusichern.

Gleichzeitig müssen wir realistisch bleiben:

5.055 € reichen nicht aus, um auch nur einen Monat der notwendigen Personalkosten für #ZumFeindGemacht zu decken.

Weder die wissenschaftliche Arbeit unserer Historiker:innen noch Redaktion, Social Media, Community-Management, Recherche oder Produktion können mit dieser Summe voll finanziert werden. Für ein digitales Bildungsprojekt dieser Größe und Reichweite braucht es stabile Mittel – und genau hier klafft derzeit die größte Lücke. Um bis zu einer möglichen Anschlussfinanzierung neue Biografien vollständig aufzuarbeiten, ein weiteres Buch zu veröffentlichen oder neue Podcastfolgen zu produzieren, benötigen wir weiterhin Ihre Unterstützung.

Warum jede Spende weiterhin entscheidend ist

#ZumFeindGemacht ist für viele junge Menschen und Lehrkräfte zu einem verlässlichen Ort der digitalen Erinnerungskultur geworden. Damit wir auch 2026 weitermachen können, mit neuen Biografien, Materialien, Formaten und Stimmen, brauchen wir Ihre Hilfe.

Hier können Sie die Kampagne unterstützen:

Jetzt für #ZumFeindGemacht spenden

Ob 5 €, 50 € oder 500 €: Jeder Betrag trägt dazu bei, dass die Geschichten der NS-Verfolgten sichtbar bleiben und wir ihnen den Raum geben können, den sie verdienen.

Nikolausgeschenk

Sie haben schon gespendet? Dann machen Sie mit bei unserer Nikolaus-Aktion! Dank der Unterstützung der Hans und Berthold Finkelstein Stiftung möchten wir allen, die uns über Betterplace mit einer Spende unterstützen, etwas zurückgeben: Als kleines Dankeschön erhalten Sie einen Jutebeutel mit dem #ZumFeindGemacht-Logo – solange der Vorrat reicht. Schicken Sie einfach eine kurze E-Mail mit Ihrer Versandadresse an info@nsberatung.de, und Ihr Jutebeutel macht sich auf den Weg zu Ihnen.

#ZumFeindGemacht steht vor dem Aus - so können Sie helfen

Im nunmehr vierten Jahr erzählt das Projekt #ZumFeindGemacht die Geschichten jener Menschen, die von den Nationalsozialist:innen als „anders“ und damit als „Feind“ gebrandmarkt wurden. Über 110.000 Menschen folgen der Kampagne in den sozialen Medien. Millionenfach wurden ihre Inhalte gesehen, geteilt und sogar im Unterricht genutzt. Follower:innen schreiben uns, dass unsere Beiträge sie bewegt haben, dass sie Neues gelernt oder einen neuen Zugang zur Geschichte gefunden haben. Die Wirkung ist messbar – und unverzichtbar als zeitgemäße Form digitaler Erinnerungskultur.

 

Doch nun steht das erfolgreiche Projekt vor einem ungewissen Fortbestand.

 

Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat angekündigt, die bisherige Förderung nicht über das Jahr 2025 hinaus fortzusetzen. Trotz intensiver Bemühungen konnten bislang keine alternativen Finanzierungsquellen gefunden werden, die den laufenden Bedarf decken.

Dabei ist #ZumFeindGemacht längst zu einem zentralen Ort der digitalen Erinnerungskultur geworden. Sollte das Projekt enden, ginge ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung über nationalsozialistische Verfolgung, über Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung verloren – gerade in Zeiten, in denen Geschichtsrevisionismus und Hass in sozialen Netzwerken Konjunktur haben.

Um die Zeit zu überbrücken, bis wir eine neue Finanzierung für #ZumFeindGemacht gesichert haben, startet der Bundesverband am 10. November 2025 eine Crowdfunding-Kampagne auf der Spendenplattform Betterplace. Jede Spende trägt dazu bei, die Bildungsarbeit und die Stimmen der Überlebenden sowie ihrer Nachkommen weiter hörbar zu machen.

 

Dafür setzen wir Ihre Spende ein

  • 10.000 € finanzieren die wissenschaftliche Aufarbeitung einer Biografie, einschließlich Recherche- und Personalkosten.
  • 4.000 € sichern die Veröffentlichung eines neuen Bandes der Buchreihe #ZumFeindGemacht.
  • 1.800 € decken jährlich die Nutzungsrechte für Bild-, Ton- und Filmmaterial, das in sozialen Medien und auf der Projektwebseite eingesetzt wird.
  • 9.000 € ermöglichen die Produktion von zwei neuen Podcast-Folgen, inklusive Sounddesign, Moderation und Honoraren.

Sollte die Zwischenfinanzierung von #ZumFeindGemacht nicht gelingen, werden die Spenden in andere Bildungsprojekte des Bundesverbands fließen – darunter Begegnungsformate mit Überlebenden, Publikationen und Jugendprojekte zur Erinnerungskultur.

 

Jetzt spenden und #ZumFeindGemacht retten

 

Mit jeder Spende helfen Sie uns dabei, dass die Geschichten der NS-Verfolgten und ihrer Nachkommen weiterhin sichtbar sind – gerade jetzt, wo sie so wichtig sind wie nie zuvor.

Wir danken allen Unterstützer:innen, die durch ihre Spende und das Teilen der Crowdfunding-Kampagne zum Erhalt von #ZumFeindGemacht beitragen.

Nachruf auf Tamar Dreifuss (1938–2025)

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von unserer langjährigen Zeitzeugin, Caféteilnehmerin und Freundin Tamar Dreifuss, die am vergangenen Samstag, den 18. Oktober 2025 im Alter von 87 Jahren verstorben ist.

Tamar Dreifuss wurde 1938 in Vilnius geboren. Ihre Kindheit wurde früh durch Krieg, Verfolgung und Verlust geprägt. Gemeinsam mit ihren Eltern, Jetta und Jascha Schapiro, überlebte sie das Ghetto von Vilnius. Im September 1943 sah sie ihren Vater zum letzten Mal – er wurde später im Konzentrationslager ermordet. Tamar gelang gemeinsam mit ihrer Mutter die Flucht. Nach Monaten der Angst und des Versteckens überlebten beide den Holocaust. 

1948 wanderte Tamar mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater nach Israel aus, wo sie eine Ausbildung zur Erzieherin absolvierte. Später zog sie mit ihrem Mann Harry Dreifuss nach Deutschland und arbeitete dort viele Jahre als Religionslehrerin und Pädagogin.

Tamar war nicht nur Überlebende, sondern auch Erzählerin. Sie übersetzte die Erinnerungen ihrer Mutter aus dem Jiddischen – das Buch Sag niemals, das ist dein letzter Weg bewahrt deren Zeugnis für kommende Generationen. Mit Die wundersame Rettung der kleinen Tamar 1944 fand sie schließlich ihre eigene Sprache, um auch Kindern von Verfolgung, Mut und Hoffnung zu erzählen.

Auch Jugendlichen erzählte Tamar ihre Lebensgeschichte. Aus diesen Begegnungen entstand das Animationsprojekt DIE WUNDERBARE RETTUNG. Die Geschichte von Tamar Dreifuß, das ihre Erinnerungen auf eindrucksvolle Weise in die Gegenwart trägt.

In den Erzähl- und Begegnungscafés des Bundesverbands teilte Tamar ihre Geschichte mit Einfühlsamkeit, Humor und Wärme. Sie sprach nicht aus Bitterkeit, sondern aus der tiefen Überzeugung, dass Erinnern und Mitmenschlichkeit untrennbar verbunden sind. Ihre Anwesenheit war eine Bereicherung – für uns, für junge Menschen, für alle, die das Glück hatten, ihr zu begegnen.

Wir sind dankbar, dass Tamar Dreifuss ihre Erfahrungen und ihre Lebensweisheit mit uns geteilt hat. Ihr Vermächtnis bleibt lebendig – in ihren Büchern, in den Herzen derer, die sie berührt hat, und in unserem gemeinsamen Einsatz gegen das Vergessen.

 

Wir werden sie sehr vermissen - Möge ihre Erinnerung ein Segen sein.

 

Dr. Jost Rebentisch, Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V.

Nachruf auf Berta Ayzina (1938–2025) und Larysa Barg (1937–2025)

Mit Trauer nehmen wir Abschied von zwei Teilnehmerinnen unserer Erzähl- und Begegnungscafés, Berta Ayzina und Larysa Barg, die im Oktober 2025 verstorben sind.

Berta Ayzina wurde am 25. Juli 1938 in Leningrad geboren. Sie erlebte den Zweiten Weltkrieg in der belagerten Stadt und kam 1996 nach Deutschland. Berta liebte Kunst, insbesondere die Impressionisten, klassische Musik insgesamt und vor allem Schostakowitsch. In der Sowjetunion war Berta Ingenieurin für Atom-U-Boote in Sankt Petersburg und bewies auch später in Deutschland einen bemerkenswert wachen Geist. Sie lernte die deutsche Sprache perfekt, obwohl sie erst im Seniorenalter aus Russland ausgewandert war. Berta war eine Frau von unerschütterlicher Würde, von Stolz, Stärke und Selbstständigkeit. Sie meisterte ihr Leben trotz gesundheitlicher Einschränkungen eigenständig und lebte uns vor, was es heißt, Haltung zu bewahren. Ihre Beerdigung findet am 22. Oktober 2025 auf dem Jüdischen Friedhof Köln-Bocklemünd statt.

Larysa Barg war noch nicht lange Teilnehmerin des Begegnungscafés, doch sie wurde schnell zu einem geschätzten Teil der Gruppe. Sie genoss besonders das Kartenspielen und die gesellige Atmosphäre, die das Café bot. Larysa Barg verstarb am 17. Oktober 2025 im Alter von 88 Jahren. Ihre Beerdigung findet am 21. Oktober 2025 auf dem Jüdischen Friedhof Köln-Bocklemünd statt.

Wir danken Berta und Larysa dafür, dass sie ihre Lebensgeschichten und Erfahrungen mit uns geteilt haben. Ihr Vermächtnis lebt in den Erinnerungen all jener weiter, die das Glück hatten, ihnen zu begegnen. Möge ihre Erinnerung ein Segen sein.

 

Dr. Jost Rebentisch, Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V.

Köln - 5.000 Erstsemester-Beutel für ein starkes Zeichen gegen Antisemitismus

Zu Beginn des Wintersemesters 2025/26 wurden an der Universität zu Köln vom AStA die Ersti-Beutel verteilt – mit dabei: unser Aufkleber „Gegen jede Form von Antisemitismus“. Mit 5.000 Stickern möchten wir gemeinsam mit den Studierenden ein klares Zeichen setzen und auf Antisemitismus an Hochschulen aufmerksam machen.

Universitäten sollten Orte des offenen Denkens, des Respekts und der Vielfalt sein - Antisemitismus hat dabei, genauso wie andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, keinen Platz.

Wir wünschen allen Erstis einen tollen Start ins Studium und eine spannende, bereichernde Studienzeit!

Ausflug des Kölner Erzähl- und Begegnungscafés

Am 18.09.2025 fand der diesjährige Ausflug des Kölner Erzähl- und Begegnungscafés statt - dieses Mal ging es in den Kölner Zoo, mit anschließendem Mittagessen in der Residenz am Dom.

Wir waren mit 45 hochbetagten Überlebenden der NS-Verfolgung unterwegs, viele weit über 80 und 90 Jahre alt. Sie alle kamen in den 1990er-Jahren als sogenannte Kontingentflüchtlinge nach Deutschland. Für sie sind Begegnung, Austausch und Teilhabe im Alltag besonders wertvoll, denn viele sind mit Isolation und finanziellen Einschränkungen konfrontiert.

Die Erzähl- und Begegnungscafés des Bundesverbands gibt es in Köln bereits seit 20 Jahren. Sie bieten Überlebenden der NS-Verfolgung einen geschützten Raum, um Erfahrungen zu teilen, sich auszutauschen und Gemeinschaft zu erleben - Momente, die im Alltag oft fehlen, aber für Lebensfreude und soziale Teilhabe von großer Bedeutung sind.

Ein Ausflug wie dieser bietet nicht nur Abwechslung, sondern stärkt Gemeinschaft, Lebensfreude und das Gefühl von Normalität - all das, was nach den traumatischen Erfahrungen ihrer Vergangenheit besonders kostbar ist. Dank der Bezuschussung durch die Bezirksvertretung Innenstadt konnte dieser besondere Tag ermöglicht werden.

Virtual-Reality-Projekt „Erinnerungsräume der Flucht“ erhält Verlängerung bis Juli 2027

Der Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. freut sich, die Verlängerung des innovativen Projekts „Erinnerungsräume der Flucht“ bis Ende Juli 2027 bekanntzugeben.

Das Projekt verbindet historische Bildungsarbeit mit modernster Virtual-Reality-Technologie: Junge Menschen lernen Überlebende der NS-Verfolgung kennen, führen Interviews und arbeiten prägende Szenen ihrer Lebensgeschichten heraus. Diese Szenen werden zunächst künstlerisch in Form von Dioramen umgesetzt und anschließend digitalisiert. Durch das Scannen und Übertragen in die virtuelle Realität entstehen immersive Erinnerungsräume, die durch kontextualisierende Erläuterungen eine intensive Auseinandersetzung mit den Verfolgungsgeschichten der Überlebenden ermöglichen.

Neben der historischen Auseinandersetzung erwerben die Teilnehmer:innen technische Kompetenzen und setzen sich mit gesellschaftlich relevanten Themen wie Ausgrenzung, Diskriminierung, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Flucht auseinander. Das Projekt schafft zudem einen sicheren Raum, um eigene Familien- und Fluchtgeschichten zu reflektieren und Parallelen zu ziehen.

Die Ergebnisse werden regelmäßig öffentlich präsentiert, zuletzt im Rahmen der Museumsnacht 2024 im NS-Dokumentationszentrum Köln.

Durch die Verbindung von digitalen und analogen Formaten wird jungen Menschen ein innovativer Zugang zur Geschichte der NS-Verfolgung ermöglicht und sie zur Reflexion über demokratische Werte angeregt.

Als nächstes wird das VR-Projekt an der Gesamtschule Lindenthal in Köln stattfinden. Interessierte Schulen, Jugendgruppen und Multiplikator:innen sind herzlich eingeladen, sich für eine Teilnahme am Projekt zu melden.

 

Kontakt:

Katharina Pysmenna (Tel. 0221 17 92 94 18 / pysmenna@nsberatung.de)

Katharina Gavrik (Tel. 0221 17 92 94 22 / gavrik@nsberatung.de)

 

Gefördert von:

Wir suchen dich!

Praktikant:in (m/w/d) im Bereich Pressearbeit (2-3 Monate)

Du interessierst dich für Pressearbeit und hast tiefgreifende Kenntnisse über die Zeit des Nationalsozialismus? Du studierst Public History oder Neuere Geschichte und benötigst ein Pflichtpraktikum oder möchtest ein freiwilliges Praktikum absolvieren? Dann bewirb dich beim Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. (BVNS) und erhalte einen umfassenden Einblick in die Arbeit der Presseabteilung.

 

Der BVNS mit Sitz in Köln berät seit fast 30 Jahren Überlebende der NS-Verfolgung in aller Welt in Entschädigungsfragen. Vom BVNS entwickelte Modellprojekte orientieren sich zum einen an den Erfordernissen der älter werdenden Überlebenden-Generation, zum anderen an der Entwicklung einer an den Erfahrungen der Überlebenden orientierten Gedenkkultur. Weitere satzungsgemäße Aufgaben des BVNS sind die Entwicklung von Zeitzeug:innen-Projekten zur politischen Bildung sowie die Sorge um die Belange der Folgegenerationen der Überlebenden.

 

Folgende Bereiche und Aufgaben lernst du bei uns kennen:

  • Du recherchierst Themen und erstellst Textinhalte für unsere Social-Media-Kanäle (Instagram, TikTok, LinkedIn und Facebook).
  • Du bringst dich proaktiv in die Themenfindung und Redaktionsplanung ein.
  • Du beobachtest internationale Social-Media-Trends, die sich auf unsere Organisation übertragen lassen könnten.

 

Das solltest du mitbringen:

  • Du absolvierst ein Studium im Bereich Public History oder Neuere Geschichte
  • Du verfügst über sehr gute Kenntnisse über die Zeit des Nationalsozialismus
  • Du möchtest ein Praktikum für mindestens sechs Wochen absolvieren
  • Du bist zuverlässig, kreativ und aufgeschlossen
  • Du hast großes Interesse an Social-Media

 

Bewerbungen bitten wir ausschließlich per E-Mail in einer PDF-Datei an info@nsberatung.de zu senden.

 

Dr. Jost Rebentisch

BUNDESVERBAND INFORMATION & BERATUNG FÜR NS-VERFOLGTE e.V.

Genovevastraße 72

51063 Köln

Tel +49 (0)221 17 92 94 0, Fax +49 (0)221 17 92 94 29

info@nsberatung.de, www.nsberatung.de

Zivilgesellschaftliche Strukturen respektieren, ausbauen und nachhaltig fördern!

Die Zivilgesellschaftlichen Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland sind ein wesentliches, konstitutives Element der pluralistischen und demokratischen Gesellschaft. Sie bilden ein Gegengewicht und Korrektiv gegenüber staatlichen Strukturen und bieten den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, sich aktiv in wichtige Prozesse innerhalb der Gesellschaft einzubringen.

Wer zivilgesellschaftliche Organisationen diffamiert, einschüchtert, materiell bedrängt oder versucht, mundtot zu machen, hat ihren wichtigen Beitrag für ein demokratisches Gemeinwesen nicht verstanden.

Dies gilt insbesondere im Bereich der „Erinnerungskultur“ in Deutschland, die seit dem Ende der Nazi-Diktatur ganz wesentlich von bürgerschaftlichem Engagement geprägt ist. „Erinnerungskultur“ im Rahmen des Gedenkens an die NS-Diktatur bedeutet nicht nur, Gedenkstätten einzurichten, zu unterhalten und regelmäßige Gedenktage abzuhalten – es ergibt sich aus der Erinnerung an die Schrecken des NS-Terrorregimes auch ein unmittelbarer Auftrag, der oft auf die kurze Formel des „Nie wieder!“ gebracht wird. Antifaschistische Arbeit, die sich aktiv gegen rechtsradikale, rechtsextreme und rechtspopulistische Strömungen richtet, ist ein Dienst am demokratischen Gemeinwesen, und, wenn sie sich im Rahmen der freiheitlich demokratischen Grundordnung und der geltenden Gesetze bewegt, unbedingt gemeinnützig.

Wir erwarten von der neuen Bundesregierung, dass sie zivilgesellschaftliche Strukturen respektiert, ausbaut und nachhaltig fördert.

Die Durchsetzung des „Demokratiefördergesetzes“ (Drucksache 20/5823), das schon von der „Ampelkoalition“ auf den Weg gebracht wurde, muss ebenso Bestandteil eines kommenden Koalitionsvertrages sein wie eine Reform des deutschen Gemeinnützigkeitsrechtes, von dem die EU vor acht Monaten erneut festgestellt hat, dass Deutschland „noch keine Fortschritte dabei erzielt hat, den Plan zur Anpassung der Steuerbefreiung von gemeinnützigen Organisationen weiterzuverfolgen, um die Herausforderungen anzugehen, die mit den derzeit geltenden Vorschriften für deren Betrieb in der Praxis verbunden sind, wobei europäische Standards für die Finanzierung zivilgesellschaftlicher Organisationen zu berücksichtigen sind“.

Wir sind in diesem Sinne an die Verhandlungsteams herangetreten und bitten sie, unsere Forderungen in den kommenden Koalitionsverhandlungen zu unterstützen.

 

Volker Kirchesch                    Dr. Jost Rebentisch

Vorsitzender                           Geschäftsführer

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