„Wie viele Zeichnungen braucht man, um eine Sekunde eines Animationsfilms zu füllen?“, fragt die Kursleiterin. Die Jugendlichen versuchen zu schätzen. Tatsächlich sind ca. 25 Bilder pro Sekunde nötig, um flüssige Bewegungen imitieren zu können. Die Erstellung eines Animationsfilms erfordert neben Kreativität auch viel Geduld, Präzision und Planung.
Der Animationskurs startet jeweils im September des Jahres. Unter Anleitung von professionellen Medienschaffenden entwickeln die Jugendlichen ein Schuljahr lang gemeinsam einen bewegenden Animationsfilm über eine ausgewählte Zeitzeug:innenbiografie.
Das erinnerungskulturelle Projekt besteht aus zwei Projektphasen.
In der ersten Phase stehen die direkte Begegnung und der persönliche Austausch mit Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung im Mittelpunkt. Diese intensiven Gespräche ermöglichen eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den historischen Erfahrungen und fördern zugleich einen reflektierten Umgang mit Erinnerung und Verantwortung. Im Projekt begegnen sich junge Menschen und Kölner Zeitzeug:innen, um sich mit Themen wie Diskriminierung, Antisemitismus und Rassismus auseinanderzusetzen und das Demokratieverständnis der Jugendlichen zu fördern.
So lernten die Projektteilnehmer:innen bereits die Zeitzeug:innen Dr. Richard Reinisch, Tamar Dreifuss, Marina Saksaganska und zuletzt Peter Finkelgruen kennen, der infolge der Flucht seiner Eltern nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Shanghaier Ghetto geboren wurde. Anhand der Lebensgeschichten werden Parallelen zu aktuellen Themen wie Flucht und Verfolgung deutlich.
Auf Grundlage der Biografien entstehen in der zweiten Projektphase Animationsfilme. Die Teilnehmer:innen werden selbst kreativ, lernen Methoden des modernen Storytellings kennen, erarbeiten Drehbücher, fertigen Zeichnungen an, drehen Videos an historischen Orten, sprechen Texte ein und erlernen neue technische Fähigkeiten wie das Einfangen statischer Bilder.
Mit der Produktion von Animationsfilmen setzt der Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. verstärkt auf ein junges Publikum. Besonders richtet sich der Kurs an Menschen mit eigener Migrations- oder Fluchterfahrung. Vor dem Hintergrund eines vertieften Blicks auf die Geschichte und des persönlichen Austauschs mit den Zeitzeug:innen wird die Brücke zur Gegenwart geschlagen. Im Projekt werden zentrale gesellschaftliche Fragestellungen aufgegriffen und die Teilnehmer:innen dazu motiviert, sich auch über den Kurs hinaus aktiv für demokratische Werte einzusetzen. Dadurch, dass persönliche Geschichten von Überlebenden der NS-Verfolgung im Mittelpunkt stehen, wird ein nachhaltiger Beitrag zur Prävention von Fremdenfeindlichkeit geleistet und Werte wie Toleranz, Empathie und Zivilcourage gestärkt. Die Projektergebnisse werden im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen präsentiert und im digitalen Raum frei zugänglich zur Verfügung gestellt, wodurch sie langfristig für die Nachwelt erhalten bleiben und einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur und gegen das Vergessen leisten.
Weitere Einblicke in den Entstehungsprozess der Animationsfilme finden Sie hier:
Projektwebseite bildungsprojekte.nsberatung.de
Instagramkanal instagram.com/ns_beratung/
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